Monatsarchiv: Mai 2017

Schweiz – das fremde Nachbarland

Bei Schweiz dachte ich früher immer an Berge, hohe Preise und eine ganz furchtbar schlecht zu verstehende Sprache. Irgendwie hat es mich einfach nicht gereizt hier mal hinzureisen. Bisher. Doch da es ja nicht weit weg ist und sich somit super anbietet auch mal über ein verlängertes Wochenende vorbeizuschauen, dachte ich mir das setzen wir dieses Jahr in die Tat um. 

Also stellte sich die Frage, wo es schön ist und was man dort so tun kann. Meistebs bereite ich mich über 500px auf eine Reise vor, indem ich mir Reisefotos von anderen Fotografen anschaue. So bin ich schließlich auf den Vierwaldstätter See gekommen. Rund um den See gibt es viele Berge mit Wanderwegen und tollen Aussichten. Also stand Luzern schnell fest. Ist auch super einfach mit dem Zug zu erreichen. Von Tür zu Tür in fünf Stunden.

Die Schweiz ist wirklich teuer und es ist quasi unmöglich meine 30€/Nacht Regel einzuhalten. Zumindest bei Hotels, aber da gibt es ja auch noch Airbnb. Schon viel von gehört, aber nie selbst ausprobiert. Schnell ist ein Zimmer gefunden. 8 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, direkt in der Altstadt. Super Lage. Gebucht. Ein bisschen komisch finde ich es ja schon “privat“ unterzukommen und sehr komfortabel ist es auch nicht. Das mag aber am Host liegen. Von Chinesen geführt, ist eben der Geschmack und die Einrichtung etwas anders, als im typisch deutschen Haus. Hauptsache sauber. Meistens sind wir eh immer unterwegs, da ist das Zimmer zweitrangig. Nur der Lift ist furchtbar. So winzig, dass wir zu zweit gerade so reinpassen… und über eine Treppe gibt es angeblich keinen Zugang. 

Jetzt aber zu der Stadt an sich. Luzern liegt am Vierwaldstätter See und ist an sich ein sehr schnuckeliger Ort. Auf der Karte erscheint alles so weitläufig, aber zu Fuß sind wir in aller Kürze alles abgelaufen.

Schon am ersten Nachmittag sehen wir alle Sehenswürdigkeiten von unserer Liste…

Aussicht auf Luzern

Aussicht auf Luzern

Am frühen Abend gönnen wir uns ein Käsefondue. Wenigstens einmal wollen wir den schweizer Käse dort essen, wo er herkommt. 200g Käse mit Brot, 5 kleinen Kartoffeln und Pommes + 2 Softdrinks für 50€ (inklusive 10% Rabatt durch airbnb). War lecker, aber muss auch nicht ständig sein. Viel billiger wird es wahrscheinlich auch nicht in einem anderen Restaurant. Man kann quasi sagen alles kostet hier doppelt so viel wie zu Hause.

Mit Hilfe von meinem neuesten Fotobuch zum Thema “Wettterfotografie“, habe ich mir genau vorbereitet, wo und wann die Sonne auf und unter geht und wie ich meine Motive am besten fotografieren kann. So stand die Kapellbrücke zum Sonnenuntergang auf dem Programm. Was ich als Sonnen-Planungsanfängee natürlich nicht bedacht hatte, waren die Häuser und Berge. Klar war der Winkel der Sonne richtig, als sie untergegangen ist, aber man hat sie lange vorhee schon nicht mehr gesehen, weil die Häuser im Weg waren. So viel dazu. Also wurde schnell umdisponiert und die Brücke eben von der anderen Seite fotografiert.

Ich sehe ja immer so professionell aus. Deshalb werde ich des Öfteren auf Fotothemen angesprochen und einige Menschen wollen auch, dass ich Fotos von ihnen mache. Generell ja kein Problem, aber wenn ich meine Fotos schon so genau geplant habe, möchte ich sie auch gerne zu der passenden Uhrzeit aufnehmen und nicht mitten in einem HDR Panorama unterbrechen. Deshalb übernimmt Benedikt dann oft die Fotos für die anderen. Er steht ja eh nur daneben. Gestern wurden wir dann auch wieder angesprochen. Auf Englisch. Den Kerl hat man kaum verstanden. Es kam nur die Botschaft an, dass er mit seiner Freundin Bilder haben will und zwar so viele wie möglich. Tja, passt eben gar nicht so in das HDR Panorama. Also habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt und Benedikt ist mitgegangen. Hätte ja keiner ahnen können, dass der Herr seiner Freundin genau in dem Moment einen Heiratsantrag machen wird. Naja. Wollen wir für die frisch Verlobten mal hoffen, dass wenigstens ein Foto was geworden ist. Benedikt war nämlich auch zwischendurch so platt, dass er seine Aufgabe vergessen hat… anschließend ist das PaarZimmer schön essen gegangen und wir haben Nachtfotos rund um die Kapellbrücke gemacht.

Kapellbrücke

Kapellbrücke

Fronalpstock – heute geht es hoch hinaus

Für mich heißt Reisen vor allem auch Fototräume zu realisieren. Das hat nicht oft mit Erholung zu tun. Und manchmal fordert es einen starken Willen. Zum Beispiel morgens um 5Uhr wenn der Wecker klingelt, damit man pünktlich zum Sonnenaufgang on Location ist. 

Ein neuer Versuch mit meinen Berechnungen. Diesmal erfolgreich! Die Sonne erscheinr ziemlich genau so im Motiv, wie ich geplant hatte. Nur ein bisschen später (die Berge versperren erst noch die Sicht…).

Ich bin nicht mal die einzige Verrückte unterwegs. Ein paar andere Fotografen haben sich ebenfalls zeitig aus dem Bett gequält und machen auch fleißig ihre Fotos. Einer hat sogar zwei Stative, zwei 5DSRs und zwei Filtersets gleichzeitig im Einsatz. Total kirre. Alleine schon der Wert von geschätzten 10.000€ an Equipment, das er da so vor sich stehen hat.. wer hat, der hat. 

Sonnenaufgang Kapellbrücke

Sonnenaufgang Kapellbrücke

Nach einem Supermarktfrühstück, bestehend aus belegte Brötchen und einem leckeren Starbucks Coffee geht es zum Bahnhof. Wir machen einen Ausflug auf den Berg. Vielleicht war s nicht so förderlich alles in einen Tag zu packen. Das frühe Aufstehen lässt uns dappig werden. Da hätte ich fast meine einzige Jacke im Zug hängen lassen (auf dem Berg ist s kälter). Habs dann aber noch gemerkt und bin wieder reingerannt. Benedikt konnte die Schaffnerin überzeugen ein paar Sekunden zu warten und wollte mich eigentlich auch davon abbringen die Jacke zurückzuholen. Aber es ist alles gut ausgegangen. Meine geliebte Fleecejacke ist wieder bei mir. Weiter ging es mit fem Bus zur Talstation und dann mit einer Standseilbahn nach Stoos und zwei Sesselliften hoch auf den Gipfel. Irgendwie hat die Verkäuferin mir falsche Tickets verkauft und dann lag da noch eine Tageskarte auf dem Boden herum. Jedenfalls sind wir so etwa 35€ billiger als der Normalpreis befördert worden. Krass. Trotzdem war der Ausflug (Zug, Bus, Lift) mit 64€ p.P. noch sehr teuer. Schade eigentlich, denn sonst könnten wir das durchaus öfter mal machen.

Aussicht vom Fronalpstock auf Vierwaldstätter See

Aussicht vom Fronalpstock auf Vierwaldstätter See

Unser Plan war komplett hochzufahren und dann bis zur Standseilbahn zurück zu laufen. Das sollten laut Wanderkarte ca. 600 Höhenmeter und eineinhalb Stunden Zeit sein. Naja, wir haben hier und dort Abstecher und Fotos gemacht und dann ist Benedikt auch noch umgeknickt. Kurzum, wir haben ein Vielfaches der Zeit gebraucht und sind dann auch nur die Strecke vom zweiten Sessellift gelaufen. Etwa 2/3 der Strecke. Da wir eh noch Muskelkater von den gestrigen, treppenreichen Erkundungen der Stadt hatten, hat uns der Abstieg bis dorthin auch gereicht. Allgemein ist der Wanderweg gut und mit ein bisschen Kondition und Zeit, wäre auch der Aufstieg machbar gewesen. Wir hatten jedoch Zeitdruck, da der letzte Lift um 16Uhr fährt und wir diesen nicht verpassen wollten. Alles in allem war es ein schöner Ausflug.