Casablanca und die Pfeifen

Die erste Nacht in Marokko liegt hinter uns. Wenig Schlaf, hartes Bett, dafür dann auch viel Gehuste aus dem Nebenzimmer. Naja. Vielleicht braucht es einfach ein bisschen Eingewöhnung. 

Das Frühstück ist inklusive. Wie auch gestern schon hat das Hotelpersonal alle Zeit der Welt. Irgendwann wird uns Kaffee und piepsüßer Minztee serviert, zusammen mit frisch gepresstem (leider nicht gesiebtem) Orangensaft, schleimigem Joghurt, Kuchen, Pfannkuchen, Honig, Butter und Marmelade. Mit ein bisschen Verspätung kommt auch noch ein Körbchen Baguette hinterher. Wirklich begeistert sind wir nicht, aber das Zeug isst man nun mal hier zum Frühstück.

Gegen 9 Uhr brechen wir auf. Bepackt mit Rucksack vorne und hinten marschieren wir durch die Medina und verhandeln mit dem Taxifahrer einen Preis. Für 30 MAD (=3€) bringt er uns zum Bahnhof. Nur Busfahren wäre mit 1€ noch billiger gewesen, aber so ein bisschen Luxus gönnen wir uns dann doch ganz gerne. 

In Marokko wird man bereits vor dem Betreten des Bahnsteiges kontrolliert. Unser Zug startet in Marrakech, das heißt wir können uns gleich reinsetzen. Das Modell ähnelt unseren alten Regionalzügen, wo man die Tür noch aufkurbeln muss, aber sonst ist eigentlich nicht viel auszusetzen. Mit nur 15min Verspätung tuckern wir los. Die Gleise sind nicht überall für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Relativ pünktlich um 14Uhr erreichen wir Casablanca. Zu Fuß geht es weiter zu unserem Apartment. Etwas ungewöhnlich, dass man sowas über booking.com buchen kann, weil man hier ja keine Rezeption hat. Stattdessen musste ich den Besitzer über einen kurzen Anruf informieren, dass wir vor der Tür stehen. Dafür haben wir jetzt mehrere Räume in einem neuen Gebäude und neben einem Bett gibt es noch Stühle und Sofa zum Sitzen. Komfort, den wir gar nicht richtig auskosten können, weil wir ja eh gleich wieder los wollen: zur Hassan II Moschee. Vom Hotel aus ist es etwas zu weit zum Laufen, also suchen wir ein Taxi. Der Preis wird verhandelt. 15min Fahrzeit=3€, kommt uns fair vor. Später lernen wir jedoch, dass wir höchstens 2,50€ bezahlen sollten und die kleinen roten Taxis immer ihren Zähler anmachen sollen. Darüber hinaus gibt es noch die weißen “Grand Taxis“. Hier ist Platz für bis zu 6 Personen und wenn alles voll ist, kommt man hier vielleicht günstiger voran. Mit Sprachbarriere ist es jedoch nicht so einfach und beim Verhandeln fällt dann sehr schnell auf, wie viel Französisch wir in den letzten Jahren vergessen haben. Ü

Nun haben wir ein paar Stunden bei der Moschee. Auf der einen Seite ist eine gigantische Baustelle, auf der anderen eine Promenade. Der Vorplatz ist sehr schön gepflastert und so wird er mein heutiger Fotostandort. Um Ärger zu vermeiden habe ich direkt zu Beginn einen Wachmann gefragt, ob ich Fotos mit Stativ machen darf. Nein. Fotos generell sind jedoch erlaubt. Solange die Sonne scheint halte ich mich auch vorbildlich an die Regel, dann wird die Speicherkarte gewechselt und es geht während der Dämmerung mit Stativ weiter. Das ist meine Sicherheitsmaßnahme, falls ich die Speicherkarte formatieren muss sind so nämlich nicht alle Bilder weg. Es geht aber gut, einige Wachmänner sehen mich mit Stativ und es scheint keinen zu stören 🙂 wenn ihnen etwas nicht passt, lassen sie es einen nämlich direkt mit ihren Drillerpfeifen wissen. Ständig pfeift es am Kreisverkehr. Einen Sinn kann ich meistens nicht erkennen, aber Hauptsache ich bin nicht schuld daran.

Hassan II Moschee

Fotos fertig. Nun suchen wir einen Rückweg. Geplant ist ein Taxi zurück. Es ist schwierig unser Fahrtziel zu kommunizieren, immerhin wohnen wir in keinem Hotelblock. Wie immer lassen sich die Fahrer die dollsten Stories einfallen, weshalb die Rückfahrt ein Vielfaches der Hinfahrt kosten soll. Irgendwie landen wir in einem weißen Taxi, das uns nicht zum Apartment bringt, weil es zu weit außerhalb von seinem üblichen Bezirk liegt. Bleibt nichts anderes übrig als den Rest zu Laufen. Erschöpft erreichen wir um 21Uhr das Apartment und es reicht mal wieder mit den Spielchen.

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