Chefchaouen – die blaue Stadt

Unsere Nacht in dem modernen Apartment in Casablanca vergeht wie im Flug. Morgens um 11 kommt der Besitzer vorbei und fängt an mit dem Putzen. Da unser Zug erst um 13:30Uhr losfahren soll, bleibt für uns noch genügend Zeit um Essen und Trinken im Supermarkt zu kaufen. Wasser, Cola, Baguette und Käse für umgerechnet 2€. Wie sich herausstellt reicht das für den ganzen Tag, man kann wirklich enorm günstig durchkommen. 

Mit unseren Backpacks laufen wir zurück zum Bahnhof. 1km bei Sonne ist ziemlich anstrengend und das T-Shirt klebt ruck zuck. Dann treffen wir eine doofe Entscheidung: wir gehen in den Bahnhof rein. Dazu muss man in Marokko schon das Ticket entwerten lassen. Sprich: man kann nicht mehr rausgehen, wenn es hier keine Sitzplätze mehr gibt. Und natürlich gibt es keinen freien Platz mehr, aber unser Zug steht auch noch nicht da. Nun müssen wir warten… und warten… hinter uns wird der Bahnhof renoviert, was vermutlich auch der Grund dafür ist, dass es so wenige Plätze gibt…

Dann kommt der Zug und wir sichern uns ein Abteil. Zunächst sitzen wir alleine dort, doch mit der Zeit kommen und gehen einige andere Fahrgäste. Der erste jüngere Marokkaner spricht uns an, auf Englisch. Er dachte er hätte seinen Stopp verpasst, doch der Zug hat noch gar nicht gehalten. Dann erklärt er uns, dass die Züge nicht immer Durchsagen machen. Es könnte also wirklich passieren, dass wir vom nächsten Bahnhof überrascht werden. Dann steigt er aus und der nächste Marokkaner steigt ein. Er hat uns Englisch sprechen gehört und dachte zuerst wir wären vielleicht Amerikanerinnen. Offenbar hatte er ein Abteil weiter gesessen. Er ist sehr gesprächig und erzählt uns, dass er aus Rabat kommt und in Casablanca irgendwas in Richtung HR studiert. An der Uni hatte er auch einen Deutschkurs für drei Monate. Deutsch findet er schwer, aber wenn immer er einen Satz sagen kann, bringt er ihn auf Deutsch raus. Er schaut außerdem gerne VLOGs an, ich erzähle ihm, dass ich auch einen Reisevlog mache. Sofort will er ihn abonnieren. Dann gibt er uns noch einen Tipp für Chefchaouen, wir sollen uns den Wasserfall ansehen.

Dann kommt der nächste. Auch ein junger Marokkaner. Sowie der Student ausgestiegen ist, fängt er an sich mit uns zu unterhalten. Es wird nicht langweilig. 

Kurz darauf steigt noch ein altes Ehepaar in den traditionellen marokkanischen Outfits ein. Die Männerjacken erinnern mich so sehr an Bademäntel, einfach putzig. Die beiden sprechen kein englisch, doch es hindert sie in keinster Weise mit uns zu sprechen. Der junge Mann muss eben übersetzen. Mir wird gesagt, dass ich marokkanisch aussehe und wir werden gefragt wo wir hinfahren. Nach Chefchaouen. Da waren sie auch schon. Schöne Stadt, die wird uns gefallen! Drei Haltestellen vor uns steigen alle aus. In Deutschland wäre das sicher so nicht gekommen. Hier hingegen ergeben sich die Gespräche so einfach.

In Souk el Arba wird es auch für uns Zeit den Zug zu verlassen. Die Klimaanlage ist zwischendurch immer mal ausgefallen, weshalb die Luft verdammt schlecht und wir recht schläfrig wurden. Wann wir ankommen sollten weiß ich nicht, aber der Anschlussbus steht zum Glück noch direkt vor dem Bahnhofsgebäude und wartet auf uns. Weiter geht es mit Supratours. Das soll laut vorheriger Recherche das sicherste Busunternehmen sein und gehört außerdem zur gleichen Firma, wie die Bahn ONCF. Wenigstens funktioniert hier die Klimaanlage. Etwa zwei Stunden dauert die Fahrt noch. Es wird dunkel und bergiger. Der Fahrer ist gerne schnell unterwegs und Sicherheitsabstand wird auch nicht immer eingehalten. Wir sitzen ganz vorne, denn die Plätze werden einem zugewiesen. Sonst hätte ich mir einen Sitz weiter hinten ausgesucht. Das ist entspannter.. so kann ich leider nicht aufhören auf den Verkehr zu achten und kriege auch jedes Mal mit, wenn der Fahrer aus dem Fenster rotzt. Ziemlich eklig und es erinnert mich an Indien… vielleicht wird es in Marokko ja auch noch verboten auf die Straße zu rotzen. In Indien gibt es diesbezüglich schon Verbotsschilder.

Dann sind wir endlich da: in der blauen Stadt Chefchaouen. Hier ist alles am Hang gebaut und der Bus hat uns ganz unten rausgelassen. Unser Hotel ist aber ganz oben. Laufen? Kein Bock. Zuerst besorgen wir uns noch die Rückfahrkarte. Mist, der Bus nach Fes ist gecancelt. Stattdessen müssen wir wieder zurück nach Souk el Arba fahren und von da den Zug nehmen. Außerdem 3 Stunden eher los, bleibt wenigstens die Hoffnung, dass wir noch im Hellen ankommen. Aber lustigerweise können wir schon die Tickets von Fes nach Merzouga und weiter nach Marrakech buchen. Von wegen nur in der Stadt möglich, von der man losfahren will. Immerhin die Fahrkarten haben wir jetzt sicher. Denn gerade Merzouga wird von den Bussen nur einmal täglich angefahren und wenn er voll ist, passt keiner mehr rein. Da fällt mir und meinem deutschen Planerhirn ein großer Stein vom Herzen. Nach uns schließt das Office und wir fragen, ob es hier Taxis gibt. Ja. Eigentlich sollen sie blau sein, aber vor uns ist nur ein weißes Fahrzeug. Das einzige überhaupt. Und da wir nicht laufen wollen und keine Ahnung haben, wie wir ein blaues Taxi finden sollen, nehmen wir eben das weiße. Es ist alt und ruckelig und wir kämpfen uns den Berg hoch. Zur Medina kann man natürlich nicht fahren, deshalb werden wir zum nächstgelegenen Parkplatz gebracht. Die Zufahrt ist nicht einmal geteert, einzig und allein die Laternen lassen darauf hindeuten, dass dies ein offizieller Weg sein könnte.. uns wird etwas mulmig, aber da ist der Parkplatz und auch ein paar andere Autos. Der Beifahrer trägt uns noch das Gepäck bis zur Tür und wir sind endlich angekommen. Ich freue mich auf den nächsten Tag, an dem wir die Stadt bei Tageslicht erkunden werden.

Wir schlafen bei geöffnetem Fenster. Hier kühlt es gut ab, so dass wir eine angenehme Luft im Zimmer haben. Nachteil dabei: wir kriegen das erste Morgengebet um 5:14Uhr volle Kanne mit. Naja, wenigstens müssen wir noch nicht aufstehen 😉 Frühstück beginnt um 8:30 Uhr und wird oben auf der Dachterrasse sserviert. Mit Blick über die blaue Stadt. Einfach traumhaft (wenn man mal von den gierigen Wespen absieht).

Frühstück auf dem Dach

Nach dem wirklich tollen, marokkanischen Frühstück ziehen wir los. Es ist wirklich alles blau hier. An jeder Ecke könnte ich stehenbleiben, Fotos machen und die Zeit vergessen. Es geht von der einen Gasse zur nächsten, über Treppen und um tausend Ecken. 

Blaue Gassen

Den Rückweg können wir uns unmöglich merken. Gut, dass es Offlinekarten und GPS auf dem Handy gibt! So navigieren wir uns zurück zu unserem heimeligen Hotel und ruhen uns noch ein wenig aus, bevor wir zum Abend auf den Berg mit der spanischen Moschee spazieren. Hier funktioniert die GPS Ortung nicht so doll und wir stehen manchmal vor irgendwelchen Wohnungstüren in der Sackgasse. Nach einem ungeplanten Abstecher über den Friedhof (hier sehen die Grabsteine komisch aus, wie kleine Badewannen), finden wir endlich einen unkonventionellen Weg ans Ziel und oben angekommen taucht dann auch der richtige Weg auf. Den werden wir für den Abstieg nehmen. Besonders gut beleuchtet ist er nicht, dafür aber besser ausgebaut. Licht habe ich ja vorsorglich mitgebracht, insofern stellt die fehlende Beleuchtung kein Problem dar.

Zunächst sind nur ein paar Menschen dort, doch je näher der Sonnenuntergang rückt, desto voller wird es. Neben uns setzen sich zwei Mädels aus NRW auf die Mauer und wieder mal kommen wir über meine Filter ins Gespräch. Lustigerweise stellt sich heraus, dass wir morgen mit dem gleichen Bus nach Souk el Arba und dem Zug weiter nach Fes fahren werden. Zufälle gibt es…

Der Sonnenuntergang ist etwas mau, da der Berg im Weg ist, aber die blaue Stunde erfüllt meine Fotoerwartungen. 🙂 ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse und kann es kaum erwarten die Bilder zu bearbeiten und mit euch zu teilen!

Zum Abendessen wollten wir eigentlich ein Restaurant in der Stadt suchen, aber sind ohne Karte gelaufen, weil das auf dem Hinweg ja auch nicht so zuverlässig funktioniert hat… irgendwann beschließen wir doch mal das GPS anzuwerfen und noch bevor es geladen ist, stehen wir quasi fast vor unserem Hotel 😉 nun gut, dann essen wir eben dort was. Von den angeschriebenen Gerichten sind nur Kefta Tajine und und Chicken Tajine übrig. Einfache Entscheidung: Kefta Tajine, denn das kenne ich noch nicht. Somit komme ich auf 2 Tajines in 4 Tagen und habe einen deutlich besseren Schnitt als beim letzten Urlaub, wo ich mich an Chicken Tajine übersättigt hatte. Das soll nicht noch mal passieren.

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