Endspurt in Essaouira

Die Zeit in der Wüste war schön, aber nach ein paar Tagen reicht die Einöde auch. Genug von den vielen Fliegen, Mücken, Spinnen und Käfern.

Früh morgens stehen wir auf, das Riad bereitet uns sogar noch ein kleines Frühaufsteherfrühstück vor und bringt uns per Auto zur Bushaltestelle, da es mit Gepäck zu Fuß ja anstrengend wäre. Der Weg ist zwar nicht sehr weit, aber wir freuen uns trotzdem, dass wir nicht laufen müssen und somit auch mehr Zeit haben. Der Bus steht schon da. Wir kaufen noch unser Gepäckbändchen und steigen ein. Es ist unser längster Fahrtag: 12,5 Stunden im Bus von Merzouga nach Marrakech. Diesmal scheinen mehr Fahrgäste gebucht zu haben, also bleiben wir sicherheitshalber auf unseren vorgeschriebenen Sitzen. Diese sind in der zweiten Reihe mit Blick auf die Straße und zudem ziemlich kuschelig auf die Dauer. Die lange Fahrt nervt mich ziemlich an. Hier eine kleine Übersicht über die skurrilsten Erlebnisse:

– wir passieren ein Auto mit einer lebenden Gans im Kofferraum

– mein Sitznachbar über den Gang putzt sich die Nase: in die Innenseite seiner Jacke. Wie ekelig ist das denn?!?

– generell ist auf Marokkos Straßen wenig Verkehr. Oft haben wir die ganze Straße für uns alleine. Dann tauchen immer mal wieder ein Tier, Menschen oder auch furchtbar lahme Autos auf. Bei den Autos kann ich meist überhaupt nicht nachvollziehen, warum sie so durch die Gegend schleichen, zum Beispiel ein fetter Audi fährt auf der Landstraße nur 40, ein LKW nur 20, obwohl man hier 60-100 km/h fahren darf. Entschließt sich der Busfahrer zum Überholen, ziehen die dann doch fast immer auch noch zur Mitte, so dass wir ständig hupen müssen. Fragt sich ob die Fahrer wirklich alle einen Führerschein haben bzw. ob man für den marokkanischen Führerschein unterrichtet wird. Kann ja auch sein, dass man den einfach nur bezahlt und direkt hat… um die Supratours Fahrer in Schutz zu nehmen, muss ich jedoch zugeben, dass sie sich eigentlich immer an die Regeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten und nur dann überholt haben, wenn genügend Sicht und Platz vorhanden war. Spannend war die Fahrt nur wegen den anderen Verkehrsteilnehmern…

– von einer Haltestelle zur nächsten nehmen wir diverse Pakete mit. Eigentlich eine gute Idee, denn der Bus fährt ja eh jeden Tag die Strecke, wieso sollte er dann nicht auch kleine Waren befördern.

– in mehreren größeren Städten halten wir an und Fahrgäste steigen ein und aus. Man muss jedoch selbst wissen, wo man ist. Durchsagen gibt es keine. GPS und die kalkulierte Abkunftszeit helfen..

– bei einer Haltestelle steigt ein Bettler in den Bus. Ich hätte ja gedacht, dass er keinen Zutritt bekommt, weil er auch kein Ticket hat. Aber hier sieht man großzügig darüber hinweg. Er klappert Reihe für Reihe ab, schüttelt jeden am Arm und brabbelt irgendetwas unverständliches. Ich sehe das ja überhaupt nicht ein und ärgere mich, nicht mal hier meine Ruhe zu haben. Vor der Weiterfahrt muss er zum Glück wieder raus.

Dann wird es dunkel, ich immer ungeduldiger, der Hunger lässt grüßen und endlich sind wir in Marrakech! Wir steigen aus dem Bus und sind umzingelt von tausenden Taxifahrern. Da wir jedoch unser Hotel direkt neben der Bushaltestelle gebucht haben, können wir laufen. Das ist sehr enttäuschend für die Fahrer und sie versuchen uns den halben Weg zu belabern. Schnell rein in das Bahnhofs McDonald’s. Hier treffen wir die einzigen anderen, ausländischen Touristen aus dem Bus wieder. Wie Tiere fallen wir über das Menü her, bevor wir ins Ibis Hotel einchecken. Es ist die erste westliche Hotelkette und nicht im typisch marokkanischen Stil eingerichtet. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, doch es ist schon ziemlich abgewohnt und die Dusche verschimmelt. Typisch Billighotel. Wenigstens das Frühstück ist endlich umfangreich und es gibt zum ersten Mal der Reise mehr Auswahl als Hunger 🙂

Danach geht es direkt wieder weiter. Noch mal drei Stunden Fahrt nach Essaouira. Hier war ich 2015 schon mal und es hatte mir sehr gut gefallen. Die Fahrt ist jedoch sehr beschwerlich. Wir sitzen in der ersten Reihe, weil wir unser Ticket so früh gebucht haben. Noch bevor wir losfahren schaltet der Fahrer meine Lüftung ab, offenbar stört sie ihn. Toll, ich darf also keine Luft haben. Schon da ist er unten durch. Unter unserem Sitz ist ein Feuerlöscher, also wieder kein Platz für den Rucksack. Ich beschließe heute mal ein bisschen den kuriosen Verkehr aufzunehmen. Ganze drei Clips sind mir vergönnt, dann mault mich der spießige Fahrer an, dass ich das nicht darf. Keine Ahnung in welchem Gesetzbuch steht, dass Spiegelreflexaufnahmen verboten, Handyaufnahmen der anderen Fahrgäste aber gestattet sind. Finde ich ziemlich doof, aber ich höre auf. Stattdessen gucke ich mir dann halt alte Fotos aus der Wüste an. Mein Drehrädchen zum Bilder wechseln ist recht gut zu hören, weshalb er sich schon wieder alle paar Minuten böse umdreht. Mir ist schnell der Spaß vergangen und ich packe die Kamera ganz weg. Versuche ich es halt mit Musik. Das scheint ok zu sein. Doch kurz darauf schaltet er das Radio ein. Laut. Ich höre meine Musik nicht mehr. Also weg mit dem Handy. Dann halt Kindle raus und Buch lesen. Auch hierbei ernte ich wieder viele böse Blicke. Vermutlich fühlt er sich schon wieder fotografiert oder so. Ich sag euch: drei Stunden können seeehr lang sein. Für die Rückfahrt nach Marrakech habe ich Sitzplätze in Reihe 4 gekriegt. Das wird entspannter! Die Straßenbeläge von Marrakech nach Essaouira sind wirklich gut: fast durchgehend zweispurig, keine Schlaglöcher und sogut wie kein Verkehr. Im restlichen Teil des Landes gab es viele sehr schlechte Straßen.

Auch in Essaouira wird der Bus von Kofferträgern belagert. Wir schaffen es alle abzuwimmeln und laufen zu unserem Hotel. Da dies schon das Ende der Reise ist, gönnen wir uns hier zwei Nächte Luxus im 5* Strandhotel. Einzige Kritik auf höchstem Niveau: wir haben ein Zimmer mit Pool- statt Merkblick und das WLAN Signal ist im Bett schwach. Ansonsten ist es wirklich klasse! Sofa, Fernseher, weiches Bett, Badmäntel, Schläppchen und etliche Pflegeprodukte, die direkt in Tinas Tasche landen 😉

Strand und Hotel in Essaouira

Heute ist es sehr wolkig und windig, daher zu kalt zum baden. Stattdessen laufen wir an der Wasserkante des Atlantiks entlang und baden nur die Füße. Ein paar Surfer versuchen sich an den vielen Wellen, auch Kitesurfer sind unterwegs. Natürlich gibt es auch hier ein paar Nervensägen, die uns einen Kamelritt oder sonstige Aktivitäten verkaufen wollen. Dann wird es dunkel, wir suchen uns ein Restaurant zum Abendessen und gehen dann früh ins Bett. 

Am nächsten Tag wollen wir die Medina erkunden, doch zuerst stärken wir uns mit dem besten Frühstück der Reise. Es gibt alles, was das deutsche Herz begehrt, sogar Wurst und Käse, Müsli, Omelettes, Smoothies, Süßgebäck, Obst und Gemüse. Der Bauch spannt und so schnell wird kein Hunger kommen. Bereit zum Shopping! Dabei nimmt das Geld ruck zuck ab, aber wir bekommen ja auch unsere Souvenirs dafür… Arganöl, Gewürze und ein handgemalter Teller sind die Ausbeute des Tages. Jetzt wo das Ende der Reise näher rückt, traue ich mich auch mal an einen frisch gepressten Orangensaft. 5 gut investiere Dirhams. Der Saft schmeckt unheimlich lecker und ist nicht so breiig, wie in so manchem Hotel zuvor. Unterwegs werden uns mehrere Male “Happy cookies“ angeboten, die wir dankend ablehnen. Eigentlich hätten wir hiermit eher in Chefchaouen gerechnet… wie auch immer, am späteren Nachmittag ist wieder Platz im Bauch. Eigentlich wurden uns zwei gute Restaurants empfohlen, aber beide bieten erst abends warmes Essen an, daher suchen wir uns spontan eine neue Location aus. Ein Restaurant mit Dachterrasse am Meer! Tolle Aussicht und Sonne, aber auch kalter Wind (oookay, es ist wohl wirklich schon November) und für Marokko teure Preise. Das Essen schmeckt gut, die Füße tun weh und satt, glücklich sowie erschöpft tapern wir zurück zu unserem Hotel. Da heißt es Sachen packen (vor allem die neuen sicher polstern), denn morgen geht es wieder zurück nach Marrakech.

Medina in Essaouira

Kontakt