Gesundheit auf einer Indienreise

Normalerweise mache ich mir beim Reisen keinen großen Kopf über die möglichen Krankheiten, die ich unterwegs kriegen könnte… doch bei Indien war es zum ersten Mal anders. Da dann auch etliche Teilnehmer unserer Reisegruppe unterwegs das ein oder andere Wehwehchen hatten, dachte ich mir es wäre sicher ganz gut, hier mal alles zusammenzufassen, was wir bei dem Trip in Bezug auf Gesundheit gelernt haben.

Vor der Reise

Ich fange am besten direkt mit den Reisevorbereitungen an. Wir haben uns entschlossen zu einem Reisemediziner zu gehen und uns zu den Impfungen in Indien beraten zu lassen. Zunächst war ich sehr skeptisch, dass wir uns gegen so viele Krankheiten impfen lassen sollten. Doch im Nachhinein bin ich so froh, dass wir es gemacht haben. Indien ist solch ein dreckiges Land, in dem man von morgens bis abends verarscht wird (egal ob das jetzt von TukTuk Fahrern oder Wasserverkäufern ist, die doch lieber Leitungswasser abfüllen und behaupten es sei sauber), das kann man gar nicht mit Europa vergleichen. Unsere Körper sind diese Flut an Dreck, Gewürzen und Aufregung gar nicht gewöhnt. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen ebenfalls zur Impfberatung zu gehen und sich über die aktuellen Gefahren zu informieren. Bei uns lief es auf 10 einzelne Impfungen hinaus, die jeweils in bestimmten Abständen gespritzt werden. Daher sollte man mindestens 1-2 Monate Zeit einplanen (es sei denn man hat bereits einige Impfungen gehabt).

In Indien herrscht ein geringes Malariarisiko (zumindest in den Gebieten, wo wir unterwegs waren). Daher ist es möglich die Malariatabletten (Malarone) nur als Standby-Medikament mitzunehmen. Im Falle von Malariasymptomen während der Reise hat man so nämlich zumindest für die ersten Tage etwas dabei und ist nicht sofort darauf angewiesen am ersten Tag einen Arzt, sowie eine Apotheke zu finden, die das Mittel vorrätig hat (ist erstens sehr teuer und deshalb oft nicht auf Lager in Indien und zweitens weiß man nie, ob es kühl genug gelagert wurde).

Beschwerden während der Reise

Nun aber zu den akuten Themen. Was für uns am wichtigsten war, sind definitiv die Durchfallmittel. Da wir ständig unterwegs waren, haben wir einen großen Vorrat an Imodium (stoppt den Durchfall schnell) und Elektrolyten (sorgen dafür, dass man bei dem vielen Flüssigkeitsverlust nicht austrocknet), sowie das gute deutsche Klopapier mitgenommen. Nicht überall haben Toiletten Klopapier oder selbst im Hotel ging das im Ernstfall viel zu schnell leer (die Rollen sind da nämlich nicht mal halb so dick, wie hier).

Weitere Krankheiten oder Beschwerden, die bei uns in der Gruppe vorkamen, waren:
– Erbrechen (welche Lebensmittel Schuld waren, konnten wir nicht lokalisieren) –> Mittel zum Stoppen mitnehmen, für lange Fahrten ohne Toilette
– Dehydrierung –> Elektrolyte einpacken
– Erkältung durch Klimaanlage –> Nasenspray, Ohrentropfen bzw. allgemeine Erkältungsmedizin ist zu empfehlen (denn es ist gar nicht so einfach, dem indischen Apotheker zu erklären, was man haben möchte)
– extrem trockene Haut und Lippen –> viel Feuchtigkeitscreme mitnehmen (vor allem, wenn man aus dem deutschen Winter nach Indien fliegt) und noch mehr trinken

Mückenschutz

Gegen manche Krankheiten gibt es noch keine Impfstoffe, daher immer auf Mückenschutz achten. In den großen, stark verdreckten Städten hatten wir zwar keine Mückenprobleme, aber an ländlicheren Orten gab es doch ein paar Mücken. Auf DEET im Mückenschutzmittel achten (es gibt Cremes, Hautsprays und Kleidungssprays). Je vielseitiger man die Schutzmittel anwendet, desto besser sollen sie wirken. Aber das Zeug stinkt mächtig und ist sicher nicht jedermanns Sache. Es gibt auch weitere Vorsichtsmaßnahmen gegen Stiche. Möglichst lange Kleidung tragen. Die Farben der Kleidung sollten möglichst hell oder bunt sein. Stechmücken mögen ebenfalls keine Klimaanlage oder Räucherstäbchen (wenn verfügbar, also immer benutzen).
Die meisten Mücken sind Nachtaktiv, daher kann man sich ebenfalls schützen, indem man sich nur von der Dämmerung bis zum Abend draußen aufhält.

Immer auf der Hut sein

Ansonsten waren wir immer vorsichtig mit dem Essen und der Hygiene.
– das ganze Land ist dermaßen dreckig, da bleibt es auch nicht aus, dass die Haut ebenfalls dreckig ist. Bestenfalls nichts davon in den Körper bekommen (zum Beispiel keinen Finger ablecken)
– ob das hysterisch war oder nicht, wir haben vor jedem Essen unsere Hände desinfiziert (dafür gibt es diese kleinen, praktischen Fläschchen mit Handdesinfektionsmittel)
– manchmal sahen auch das Besteck oder die Teller nicht so appetitlich aus, auch die Sachen haben wir dann desinfiziert (zumindest nachdem jeder mal Delhi Belly hatte)
– nicht am Preis sparen, lieber da essen, wo es einem einigermaßen hygienisch vorkommt (selbst hier ist es noch billiger, als zu Hause)
– kein Streetfood essen! Das Zeug wird unter absolut unhygienischen Bedingungen zubereitet und ist für europäische Mägen absolut gefährlich!
– das Leitungswasser ist nicht trinkbar, man sollte es nicht mal zum Zähne putzen verwenden
– Eiswürfel in Restaurants werden manchmal mit Leitungswasser zubereitet, daher immer ohne Eis bestellen
– beim Kauf von Wasserflaschen darauf achten, dass sie noch Versiegelt sind (manchmal füllen die Straßenhändler nämlich lieber Leitungswasser nach und verdienen mehr pro Flasche)
– das Essen ist generell schärfer, als in Deutschland. Wenn man es genießen möchte, immer als milde Variante bestellen
– am gefährlichsten sind Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte (wie z.B. auch die für Indien typischen Lassis)
– generell gilt: peel it, cook it or forget it

Lasst euch von dem Beitrag nicht verunsichern. Das sind alles nur Tipps und die Erfahrungen, die wir gemacht haben. Es kann bei euch ganz anders sein. Indien ist ein großes Land. Es gibt arme und weniger arme Staaten, manche sind hygienischer als andere. Vielleicht habt ihr während eurer Reise auch überhaupt keine gesundheitlichen Probleme 😉