Holishooting – so geht es

Ursprünglich kommt das Holi Fest aus Indien. Dort begrüßen die Menschen den Frühling, indem sie sich bunt bemalen und mit gefärbten Pulver bewerfen. Es zählt zu den wichtigsten Feierlichkeiten des Jahres. Auch in Europa sind Holifestivals aktuell stark im Kommen. Jedoch kann man auf einem Festival schlecht fotografieren, ohne dass etwas von dem Pulver an und noch viel schlimmer: IN die Kamera gelangt. Deshalb habe ich ein Holi Shooting organisiert, an dem das Pulver nur kontrolliert geworfen wird. Wenn ihr Lust habt auch so ein Shooting durchzuführen, könnt ihr hierzu gerne diese Anleitung verwenden.

Vorbereitungen

Die richtige Location finden

Zunächst braucht man die passende Location. Da man mit Farbpulver (sprich Maismehl, wenn man das Original Gulal Pulver nimmt) wirft, ist eigentlich von Anfang an klar, dass man das Shooting nicht drinnen machen will. Die Schweinerei ist vorprogrammiert. Außerdem vertragen sich Maismehl und Blitze wohl auch nicht sonderlich gut, weshalb man am besten nach draußen geht. Allerdings sollte es möglichst windstill sein, ich habe mich letztenendes für eine Garage entschieden, da hier drei Seiten zu sind und Wind nur von einer Richtung kommen kann.

Der Aufbau des Sets

Als Hintergrund habe ich einen schwarzen Vorhang verwendet. Da ich zwei davon besitze, habe ich mal lieber den schlechteren verwendet – eine weise Entscheidung, denn auch hier ist der ein oder andere Wurf gelandet.

Damit das Pulver später auch sichtbar ist, muss es mit einem eher schwachen Hintergrundlicht angestrahlt werden. Hierzu habe ich zwei Softboxen aufgebaut, die das Pulver von hinten angeleuchtet haben.

In der Garage war es sehr dunkel, deshalb mussten auch noch zwei Baustrahler von beiden Seiten (vorne) bei der Ausleuchtung helfen.

Vor dem Model habe ich einen Reflektor platziert.

Vor dem Reflektor stand schließlich die Kamera. So war der Abstand zu dem umherfliegenden Pulver groß genug und mit dem 50mm Objektiv muss man ohnehin weit genug weg gehen, damit der Bildausschnitt nicht zu klein ausfällt.

Das Pulver

Üblicherweise wird Gulal verwendet, dies ist eingefärbtes Maismehl. Allerdings sind die Preise ziemlich hoch. Für 75g (1 Päckchen) zahlt man gut 2Euro. Also habe ich nach Alternativen gesucht, wie man billiger an buntes Pulver kommt. Es sollte nicht gesundheitsschädlich sein und bestenfalls wieder aus den Klamotten auswaschbar sein. So bin ich zu zwei Optionen gekommen: Maismehl selbst färben oder Kreide reiben.

Option 1: Maismehl

Eine 1kg-Packung Maismehl gibt es schon für 1 Euro im Supermarkt. Also habe ich mir noch Lebensmittelfarbe besorgt und damit insgesamt 800g Mehl eingefärbt. Kosten gesamt: 6,70Euro. Also deutlich billiger, als es fertig gefärbt zu kaufen. Allerdings auch sehr arbeitsintensiv.

Als Sparbrötchen hatte ich es erst mit normalem Weizenmehl probiert, allerdings verklumpt dieses. Man muss sich wirklich an das Maismehl halten. Die Farbe unterzumischen ist ein wirklicher Knochenjob. Oder man nimmt mehr Wasser – das führt dann jedoch dazu, dass die Mischung langsamer trocknet. Am besten gleich bei niedriger Hitze in den Backofen stellen und mehrmals umrühren. Macht man das nicht, fängt das feuchte Mehl bald an zu stinken und niemand möchte den Pamp durch die Gegend werfen. Zuletzt muss das trockene Pulver noch durchgesiebt werden.

Option 2: Kreide

Kreide ist die noch preisgünstigere Variante. Eine Stange ergibt ca. 30g Pulver. Kauft man einen
Jumbo Eimer Kreide
hat man genügend Pulver für ein Holi Shooting zusammen! Alternativ kann man aber auch andere Farben Kreide kaufen, wie zum Beispiel die Kreide von Faber-Castell.
Hier hat man etwas peppigere Farben drinnen, für noch buntere Bildergebnisse.

Die Kreide lässt sich prima mit einer Küchenreibe zerkleinern. Aber auch hier tauscht man Geld durch Zeit ein. Ich habe ungefähr 16 Stangen Kreide in einer Stunde geschafft. Also: rechtzeitig vor dem Shooting loslegen!

Option 3: Gulal kaufen

Wenn die vorherigen Optionen nichts für dich sind und du lieber auf Nummer sicher gehen magst, kannst du natürlich auch das original Gulal Pulver
kaufen.

Das Shooting

Zur Durchführung des Shootings braucht man viele Helfer. Es werden mindestens ein Fotograf, ein Model und zwei Werfer benötigt. Eine fünfte Person am Set kann jedoch auch nicht schaden und beim Verteilen des Pulvers auf Hände und Hilfsmittel behilflich sein – oder auch einfach nur ein paar Making Of Bilder machen.

Zuerst sollten die Lichter eine Weile angeschaltet sein, damit sie gleichmäßig leuchten. Danach muss die Kamera so eingestellt werden, dass sie sowohl Pulver, als auch Model richtig erfasst. Für eine gute Aufnahme des Pulvers müssen Blitz und Belichtungszeit sehr kurz eingestellt werden.

Da der natürliche Reflex des Auges dafür sorgt, dass dieses zugeht, sobald sich Pulver nähert, sind immer zwei Aufnahmen erforderlich. Eine für die geöffneten Augen und eine weitere für das fliegende Pulver. Dies spricht für eine auf dem Stativ montierte Kamera. So ist die Retusche später einfacher. Überhaupt sollte am besten alles an der Kamera manuell festgestellt sein, so dass es nur minimale Unterschiede zwischen den Einzelbildern gibt. Wie immer gilt: für mehr Bearbeitungsspielraum kann man das RAW Format verwenden.

Testwürfe

Schon nach wenigen Würfen ist das Model voller Farbpulver, daher sollten die Einstellungen erst mal als Trockenübung stattfinden. Fotograf und Werfer müssen üben synchron zu arbeiten. Sobald dies einigermaßen funktioniert, kommt das Model dazu. Nun kann das Shooting losgehen.

Kurzer Spaß

Die ersten Bilder sind, von der Haut her gesehen, am schönsten. Später ist alles nur noch dreckig und je mehr Pulver im Auge gelandet ist, desto schwieriger wird es, noch vernünftig zu gucken. Also plant die Würfe effizient oder macht euch zwischendurch am besten Mal sauber – nicht so wie wir knapp 50 Fotos am Stück durchballern. Genauer zielen lässt sich das Pulver übrigens, wenn man es durch ein Rohr pustet – allerdings landet auch immer ein bisschen was am Mund (nicht jedermanns Sache).

Fazit

Pulver bitte NICHT mitten ins Gesicht werfen. Es ist wirklich nicht allzu angenehm im Auge!

Die Kreide war dann doch etwas körnig stellenweise, mit Mehl beworfen zu werden war um einiges angenehmer.
Vorbereitung und Aufräumarbeiten sind sehr aufwändig, aber das Shooting war trotzdem ziemlich lustig.

Die Postproduktion

Nun hat man einen Berg an Fotos, die alle bearbeitet werden müssen.

Bildreihen zusammensetzen

Wir haben sicherheitshalber immer mehrere Aufnahmen vom fliegenden Pulver erstellt. Man kann diese in Photoshop überlagern, damit der bunte Anteil im Bild größer wird.
Von dem Bild mit geöffneten Augen, wird nur der Bereich um die Augen herum übernommen und in das Pulverbild eingefügt.

Farben anpassen

Zuletzt kann man noch die Farben anpassen: Tonwertkorrektur für ein einheitliches Schwarz im Hintergrund und die Sättigung des Pulvers erhöhen, damit die Farben noch besser rauskommen.

Ergebnisse




Making of Video



Weitere Shootings

Seid ihr interessiert an weiteren kreativen Shootings? Dann schaut doch auch bei meiner Anleitung für Wasserbombenshootingsvorbei.

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