Kvalvika – unser Weg zu der gar nicht so einsamen Bucht

Gestern haben wir uns spontan überlegt einen Abstecher an den Sandstrand in Kvalvika zu machen. Laut Internet ist es eine Strecke von 2km zwischen Parkplatz und Strand mit maximal 100 Höhenmetern unterschied. Eine leichte Wanderung. Darauf hatten wir uns dann auch einstellt.
Von unserer Wohnung ist es knapp 50min Fahrt dorthin. Dieses Mal mit mir als Fahrerin. Unser Mietwagen, ein Opel Insignia mit Allradantrieb und Automatikgetriebe, ist ein ganzes Stück größer als mein eigenes Auto und zunächst bin ich etwas skeptisch. Vor allem auch weil ich noch nie mit Automatik gefahren bin. Aber mit Parksensoren, Rückfahrkamera und eindeutig mehr PS geht dann doch alles recht einfach. Richtig spitze ist, dass man den Fahrersitz auf zwei Positionen speichern kann. So müssen wir nur noch einen Knopf drück und schon hat er die richtige Position. Auf Dauer könnte ich mich wohl ganz gut an Automatik gewöhnen, aber am Anfang ist es schon noch neu und erfordert etwas Konzentration, dass ich das linke Bein wirklich nicht brauche.
Nun zurück zu unserem Ausflug. Als wir in Kvalvika an der Landstraße ankommen, steht hier alles voll mit Autos. Bei den Recherchen haben wir herausgefunden, dass für alle Autos an der Straße Strafzettel verzeilt werden. Das wollen wir in Norwegen ganz sicher nicht riskieren, bei den hohen Preisen für alles! Also fahren wir so lange weiter, bis wir einen Parkplatz finden. Dieser befindet sich am Ausgangspunkt eines anderen Wanderweges, der ebenfalls zu dem Strand führt. Neben uns parkt ein Pärchen, das bereits wieder zurück gewandert ist. Wir fragen sie nach dem Weg. Die Aussage: 5km, 2,5h und ansonsten einfach ohne viel Höhenunterschied. Zwar weiter als geplant, aber Essen und Trinken reichen auch für den Extraweg, also gehen wir los. Schon auf den ersten Metern versinken wir im Matsch. Die Schuhe sind erdig und außen nass (innen nicht, dank Goretex Membran. Wer in Norwegen unterwegs sein will sollte an eines nicht sparen: die Ausrüstung darf gerne teuer sein, aber man wird sich hier über jede Funktion freuen!). Der Weg hat keine ersichtliche Markierung, wir laufen auf einem Trampelpfad entlang, bis er zu einer Gabelung führt. Der eine Pfad geht runter zum See, der andere führt weiter oben entlang. Wir tippen auf den oberen Weg, da wir auf lange Sicht ja eh wieder höher gehen müssen, doch das war keine gute Entscheidung. Erst merken wir nichts von unserem Fehler. Dann laufen wir zwischen kleinen Bäumen durch, anschließend geht es durch hohes Gras und wir sehen den Boden nicht mehr. Am ungeschützten Berghang mit gemeinen Schlaglöchern und Felsen entlang des Weges hört hier eigentlich der Spaß schon auf. Es ist sau anstrengend und wir keineswegs besser. Irgendwann haben wir schon über die Hälfte des Berges erreicht, vor uns lagen Geröllberge oder ganz glatte Abhänge. Beides total schlecht zu passieren. Wir wollen jetzt eigentlich nur noch runter zu dem Weg, der am See vorbei führt. Mittlerweile sehen wir diesen sogar. Nur gibt es keinen Weg dorthin. Also entscheiden wir uns für das Klettern in den Geröllbergen und hoffen, dass an diesem Tag kein weiterer Fels abrutscht. Auf allen Vieren und mit gegenseitiger Hilfe schaffen wir es auch unverletzt (abgesehen von Kratzern an der nackten Haut und Ausschlägen von den Gräsern). In einem der Geröllhaufen strinkt es plötzlich und wir entdecken ein Schaf, das in einen Spalt zwischen den Steinbrocken gerutscht sein muss und jetzt feststeckt. Es hat sich noch bewegt, aber da wir selbst kaum wussten, wie wir voran kommen sollen, mussten wir es seinem Schicksal überlassen und konnten ihm nicht helfen.
Ein wenig später haben wir den richtigen Weg erreicht. Eigentlich hat es uns allen dann schon genügt, aber den Strand wollten wir auch gerne sehen. Also sind wir weiter gegangen. Nach deutlich über zwei Stunden haben wir den weißen Sand auch endlich erreicht.

Für einen derart schwer zugänglichen Strand ist es ziemlich voll. Nicht vergleichbar mit den Mittelmeerstränden, aber mit anderen Lofotenstränden, die man direkt neben der Straße sieht und total einfach erreichen kann. Manche Leute kommen sogar mit vollem Backpack hierhin und zelten und grillen am Strand. In meinen Augen total verrückt. Ich bin schon mit meinem Tagesrucksack überfordert und die haben so einen riesen Ballast auf den Schultern beim Klettern!
Nun dürfte auch allen klar sein, wieso der Strand Kvalvika heißt: es ist einfach eine Qual dort überhaupt hinzukommen!! Am Abend gehen wir wieder zurück. Diesmal aber den ursprünglich geplanten 2km-Weg. Dieser geht sich irgendwie auch einfacher, aber als „leicht“ würde ich ihn im Leben nicht bezeichnen. Dagegen war unsere Wanderung in den Schweizer Voralpen im Vergleich ja ein Kinderspaziergang! Wir kommen an der Landstraße raus, direkt bei dem überfüllten Parkplatz und der mittlerweile nicht mehr so zugeparkten Straße raus und müssen nun den ganzen Weg zum Auto zurücklaufen. Wenigstens aber auf asphaltiertem Weg, hier geht es sich so viel einfacher… Als wir endlich losfahren, ist es schon fast 21Uhr. Der Supermarkt hat bis 22Uhr auf, also planen wir schon im Auto was wir noch brauchen und fallen dann wie Tiere auf den Laden ein. Jeder flitzt zu den entsprechenden Regalen und schmeißt es in den Einkaufswagen. Morgen ist Sonntag und entsprechend müssen wir für zwei Tage Essen besorgen. Nun schnell zur Wohnung und als allererstes die Pizzen in den Ofen: wir haben alle Kohldampf. Und so wurde aus unserem Strandspaziergang mal wieder eine ausgewachsene Wanderung. Wir haben es schon drauf mit dem Anti-Mainstream-Tourismus 😀

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