Nordlichter fotografieren: so planst du dein Motiv richtig

Ihr habt bestimmt schon von den Nordlichtern gehört. Doch was genau sind eigentlich Nordlichter und wo treten sie auf? Nordlichter entstehen wenn angeregte Stickstoff- und Sauerstoffatome der Hochatmosphäre auf beschleunigte geladene Teilchen aus der Erdmagnetosphäre auftreffen. Meistens kommen sie nur in den Polarregionen vor. Auf der Nordhalbkugel nennt man sie Nordlichter, auf der Südhalbkugel heißen sie Südlichter. Nur wenn die Sonnenaktivität enorm stark ist, werden die Teilchen weiter zur Erdmitte gedrückt und man kann sie mit etwas Glück sogar in Deutschland oder auch in Südeuropa sehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, steht also eine Reise in die Polarregionen an. Statistisch gesehen kommen die Nordlichter in Nordnorwegen an 8/10 Nächten vor.

Wie erkennt man Nordlichter

Kommen wir zur nächsten Frage: wie findet man die Nordlichter überhaupt? Ihr denkt jetzt bestimmt erst mal das ist ganz einfach: nachts rausgehen und grünes Licht am Himmel sehen. Was kann dabei schon schwer sein? Das ist nicht so ganz richtig, denn je nach Stärke sieht man die Nordlichter mit dem Auge gar nicht. Und dann sind sie nicht mal grün, sondern weiß wie eine Wolke. Nur, dass die Wolke sich komisch verhält. Sie wird intensiver und schwächer und wenn man Glück hat, tanzt sie euphorisch über den Nachthimmel.

Am häufigsten kommen grüne Lichter vor, diese befinden sich in etwa 100km Höhe. Manchmal gibt es sie auch in anderen Farben. Rote Lichter entstehen zum Beispiel in 200km Höhe, mit dem menschlichen Auge kann man sie jedoch nicht sehen.

Jahreszeit und Wettervorhersage

Das A und O bei der Nordlichtjagd ist die Wettervorhersage. Es muss nachts richtig dunkel werden, sonst kann man die Lichter nicht sehen. Somit kommt nur das Winterhalbjahr von September bis April für die Nordlichtjagd in Frage. Entsprechend sind die anderen Monate geeignet für die Südpolarlichter. Statistisch am besten sind die Monate Oktober und März (Nordlichter), aber natürlich gehört auch immer eine Portion Glück dazu. Schließlich darf es nicht bedeckt sein, der Himmel muss frei und dunkel sein und es muss ein Sonnenwind existieren, der stark genug ist, um bis zu einem bestimmten Breitengrad zu kommen. Es gibt einen KP-Index für die Intensität der Lichter. Dieser gibt an, wie weit südlich die Lichter sein können.

Quelle: http://www.aurora-service.eu/aurora-forecast/

Ist man beispielsweise auf den Lofoten reicht KP2 aus, um die Nordlichter zu sehen. Wenn man jedoch in Island ist, braucht man schon KP3. Ist der KP wert höher, als er für den Breitengrad sein muss, besteht die Chance, dass die Lichter nicht nur aus nördlicher Richtung sichtbar sind, sondern von überall auftauchen können.

Zur Vorhersage haben wir immer die Webseite Aurora Forecast verwendet. Dazu gibt es auch eine passende Handyapp. Die Vorhersagen werden kurzfristig festgelegt und im 3-Stunden Takt angegeben. Man kann also abends abwägen, ob es sich lohnt wach zu bleiben. Darüber hinaus muss natürlich auch der regionale Wetterbericht beachtet werden.

Die Komposition will gut vorbereitet sein

Nordlichter sind wirklich sehr beeindruckend. Gerade wenn man sie zum ersten Mal sieht. Doch mit der Zeit wachsen die Ansprüche und zu einem guten Nordlichtfoto gehört dann nicht nur ein beeindruckendes Licht, sondern auch ein ansprechender Vordergrund mit einer guten Komposition.

Wir waren tagsüber immer auf der Suche nach Locations. Zwar kann man sich im Internet gut vorbereiten und bei Fotoplattformen nachschauen welche Nordlichtfotos es gibt und wo sie aufgenommen wurden, aber davon weiß man nicht, welche Begebenheiten vor Ort herrschen. Gab es Neuschnee? Wo gibt es Parkbuchten und sind diese geräumt worden? Wie kommt man den Hang herunter? Welcher Weg ist am zugänglichsten? Welcher Fotostandort könnte ideal sein? Zumindest in Norwegen war es nachts stellenweise pechschwarz. Wo die Orientierung tagsüber einfach fiel, war es nachts fast unmöglich sich den Weg zu merken. Eine Taschenlampe ist unumgänglich. Weitere Infos zur benötigten (Foto-)Ausrüstung findet ihr hier.

Es lohnt sich verschiedene Motive auszusuchen und abends kurzfristig nach der vorhergesagten Stärke zu planen. Bei einem schwachen KP-Wert braucht man einen Vordergrund in Richtung Norden. Bei starken Aktivitäten, sind durchaus auch Motive in andere Richtungen möglich.

Für dieses Motiv in Richtung Westen haben wir 3 Versuche in unterschiedlichen Nächten gebraucht, bis die Lichter über den Bergen aufgetaucht sind.

Fokus nicht vergessen

Wie bereits erwähnt ist es nachts dunkel. Richtig dunkel. An einsamen Orten haben wir die Sterne so deutlich gesehen, wie noch nie zuvor, weil keinerlei Störlicht vorhanden war. Das heißt aber auch der Autofokus funktioniert nicht. Wie stellt man nun das Bild scharf? Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Man kann entweder bereits tagsüber auf die Ferne fokussieren und das Objektiv abkleben (oder sich eine Markierung einritzen) oder man versucht auf die Sterne zu fokussieren. Wenn alles nicht funktioniert und man zu zweit unterwegs ist, kann man sich gegenseitig anleuchten und auf die Person scharf stellen. In jedem Fall lohnt es sich direkt nach dem ersten Bild die Schärfe zu kontrollieren und ggf. anzupassen. Ich weiß das fällt schwer, vor allem wenn die Lichter schon im Gange sind und einen in ihren Bann ziehen. Doch wie ärgerlich wäre es wohl, wenn alle Bilder unscharf wären…

Kameraeinstellungen

Fast hätte ich dieses kleine Detail vergessen: was stellt man bei der Kamera überhaupt ein? Damit die Sterne noch punktförmig abgebildet werden, darf man nicht zu lange belichten. In der Regel waren 15 Sekunden bei 16mm Weitwinkel eine gute Wahl. Entsprechend muss dann aber auch die Blende maximal geöffnet sein (in meinem Fall bei 2.8) und der ISO-Wert erhöht werden (bei meinen Fotos hatte ich einen ISO zwischen 800-3200 je nach Lichtintensität). Ein Stativ wird zwingend benötigt, eine Fernbedienung für die Kamera ist sicher auch eine gute Wahl – man kann aber auch den Selbstauslöser verwenden, um Verwacklungen zu verhindern.

Hindernisse

Rechne nicht jede Nacht mit überragenden Fotos. Manchmal sind die Lichter einfach nicht da, auch wenn die Vorhersage gut war. Man muss es einfach versuchen und darf nicht aufgeben. Es kann sich lohnen eine Weile am Wunschmotiv zu warten, muss aber nicht immer zum Erfolg führen. Manchmal tauchen die Lichter erst sehr spät in der Nacht auf, manchmal geht es aber auch direkt nach Sonnenuntergang zur Sache. Außer der Natur gibt es jedoch noch ein weiteres, großes Hindernis: den Menschen. Du wirst auf gar keinen Fall der einzige Freak sein, der nachts auf der Suche nach Nordlichtern unterwegs ist. Genau genommen war nachts bald mehr los, als tagsüber. Fotogruppen, Workshops, Individualreisende – alle auf der Suche nach dem perfekten Foto. Parkbuchten sind belegt, die besten Spots vor Ort vielleicht auch. Wenn du deine Kopflampe anmachst, um den Weg zu sehen, wirst du angeplärrt und am aller nervigsten sind die Scheinwerfer der Autos. Diese sind so hell, dass sie deinen ganzen Vordergrund überbelichten.

Scheinwerfer oder grelle Lichter stören im Bild

Mond und Gezeiten

Zu guter letzt ist es noch lohnenswert den Mondverlauf, sowie die Gezeiten mit zu bedenken.
Steht der Mond mitten im Bild, schwächt er die Lichter. Kommt er vielleicht erst sehr spät nachts über die Berge drüber und beleuchtet den Vordergrund von hinten, ist der Effekt hingegen von Vorteil, weil der Boden heller wird. Bei Neumond stört nichts die Nordlichter, aber du siehst auch nichts: weder deine Komposition, noch wo du hinläufst. Unsere Infoquelle war https://www.mondverlauf.de.

Bei Motiven am Wasser ist es auch wichtig, Ebbe und Flut zu kalulieren. Will man Reflektionen im Wasser haben, muss es da sein. Will man keine nassen Füße bekommen, ist Ebbe besser (oder eine Wathose). Mehr zum Fotografieren am und im Wasser könnt ihr hier lesen.

Wie ihr merkt, gehört einiges an Planung dazu, wenn man tolle Nordlichtfotos machen möchte, aber es lohnt sich definitiv die Mühe auf sich zu nehmen!

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