Unterwegs in Pennsylvania

Die erste Woche in den USA ist wie im Flug vergangen. Tagsüber war ich auf der Arbeit und abends habe ich die Gegend zusammen mit meinen europäischen Kolleginnen erkundet.
Wir waren mehrmals shoppen, aber auch mal spazieren. Generell ist es hier schwierig einen Gehweg zu finden, aber in unserem Wohnblock gibt es einen Rundweg. Trotzdem sehen wir wenige Menschen, hier hat man irgendwie eine andere Kultur. Die Leute fahren offenbar lieber mit dem Auto durch die Gegend. Zu unserer Nachbarschaft gehört auch ein privater Pool, der jedoch im Frühling/Frühsommer nur von 11-16:30 geöffnet hat, sprich: das ist nix für die arbeitende Bevölkerung. Vielleicht klappt es nächstes Wochenende – je nach Wetterlage.

Jeden Donnerstag bietet die Firma den Mitarbeitern einen kostenfreien Sportkurs an. Die Zeit im Fitnessstudio zählt sogar als Arbeitszeit. Wir haben uns überreden lassen und sind mal mitgekommen. 1 Stunde mit einer Trainerin und 8 Teilnehmern. Nach drei Durchgängen des Zirkeltrainings haben wir genug an unseren Muskeln gearbeitet, damit sie die ganzen nächsten Tage schmerzen können. Kein Wunder, dass da nicht mehr Mitarbeiter hingehen… ein bisschen weniger anstrengend hätte es meiner Meinung nach durchaus sein können.

Wie auch in Deutschland haben wir hier Montag bis Donnerstag etwas länger gearbeitet, damit wir am Freitag ein bisschen früher Feierabend machen können. Dann ging es direkt los nach Philadelphia, „the city of brotherly love“. Ohne Hindernisse sind es ca. 45min Fahrt. Freitag Nachmittags ist es natürlich ein bisschen länger aufgrund des Verkehrs. Vor allem in Großstädten ist das Fahren natürlich nicht lustig und unser veraltetes Navi ist auch keine besonders zuverlässige Hilfe, so drehen wir jeden Tag irgendwo eine Extrarunde. Bisher haben wir es aber immer pünktlich ans Ziel geschafft und so war es auch in Philadelphia. Wir sind froh, dass wir es zu einem Parkhaus geschafft haben und bezahlen dort auch gerne die 18$ Parkgebühr für den ganzen Tag. Mit dem Zug hätte es länger gedauert und deutlich mehr gekostet.

Von da aus geht es zu Fuß durch die Stadt. Zuerst kommen wir am Love Square vorbei. Dort steht der bekannte „LOVE“-Schriftzug. Hier werden ein paar obligatorische Fotos gemacht, dann geht es zu Fuß weiter. Philadelphia ist besonders für die Gleichberechtigung bekannt und daher ist diesem Thema wohl auch ein eigener Platz gewidmet.

Anschließend schauen wir uns die „Liberty Bell“ an, eine Glocke als Zeichen für die Gleichberechtigung. Sie wurde 1776 geläutet, als die Unabhängigkeitserklärung zum ersten Mal öffentlich vorgelesen wurde.
Auch der erste Entwurf der amerikanischen Flagge wurde von Betty Ross in Philadelphia erstellt. Wer sich für die amerikanische Geschichte interessiert, findet hier auf jeden Fall genügend Input und Museen.

Von den einheimischen Kollegen wurde uns geraten ein Philadelphia Cheesesteak zu probieren. Die Adresse hatte ich mir morgens schon im Handy eingespeichert und so lassen wir uns von Maps.me zu Steve’s Prince of Steak navigieren, denn hier soll es am besten schmecken. Und in der Tat ist das Cheesesteak lecker. Cheesesteaks sind dünne Scheiben Fleisch, die gebraten werden und zusammen mit Zwiebeln und Käse in einem schlabberigen Brötchen serviert werden, im Prinzip so ähnlich wie ein Hotdog. Es ist verhältnismäßig günstig und lecker. Frisch gestärkt geht es dann weiter zum Fluss, denn mein Hauptanliegen ist ein Skylinefoto zur blauen Stunde. Geduldig warten wir vorm Museum of Art auf die Dämmerung und stehen uns die Beine in den Bauch. Dann ist das Foto im Kasten und wir schlurfen zurück zum Auto. Etwa 10km haben wir zu Fuß zurückgelegt und sind eigentlich so erschöpft, dass wir uns gerne in der Wohnung ausruhen möchten. Leider geht aber nie alles glatt und so kam auch an diesem Abend eine neue Baustelle dazwischen – bei unserer Abfahrt. Entsprechend hat sich die Rückfahrt ganz schön gezogen.

Am nächsten Tag haben wir beschlossen nicht ganz so weit zu laufen und stattdessen einkaufen zu gehen. Erster Stop war das Outlet in Lancaster. Für mich war dies der erste Besuch in einem echten Outlet. Für alle, die sich damit auch noch nicht so gut auskennen: das Outlet in Lancaster ist sozusagen wie ein kleines Dort aufgebaut. Alle bekannten Marken haben hier eine Filiale, alles auf einem Haufen. Manche Teile kosten hier genauso viel wie überall, andere bekommt man jedoch wesentlich günstiger und genau wegen diesen Schnäppchen sind wir auch hier. Der Plan mit wenig Laufen hat nicht funktioniert, dafür sind wir wenigstens mit den Einkäufen sehr erfolgreich. Am Ende des 12h Shoppingtages ist der Kofferraum voll.

Anschließend geht es nachmittags rüber zur größten Mall der Ostküste (= King of Prussia). Hier wollten wir eigenlich den ganzen Tag verbringen, aber wegen den Schnäppchen war es sinnvoller, zuerst im Outlet vorbeizuschauen.

Auf dem Weg nach Lancaster sind wir bei den Amish People vorbeigekommen. Die Amish People kommen ursprünglich aus Mitteleuropa und leben heute hier in ihrer eigenen Welt, sie fahren mit Pferdekutschen durch die Gegend und haben bestimmte Klamotten an, so dass man sie direkt erkennt. Außerdem riecht die Luft hier nach Landwirtschaft. Da die Zeit knapp ist, fahren wir jedoch einfach so vorbei und machen keinen separaten Zwischenstopp daraus.

Im King of Prussia beschließen wir einen echten amerikanischen Käsekuchen zu probieren. Ich finde das gehört zu den Dingen, die man mal gemacht haben sollte. Jeder bestellt eine andere Sorte, damit wir möglichst viel probieren können. Ein Stück Käsekuchen kostet um die 8$, der Wucher.. aber dafür ist man auch mit den Kalorien für einen ganzen Tag versorgt.

Da die beiden vergangenen Tage noch nicht anstrengend genug waren, haben wir uns für Sonntag noch Washington vorgenommen. Von unserer Wohnung aus sind es in etwa 170km Fahrt bis dorthin, eine Distanz, die wir als Tagesausflug umsetzen können. Ich vermute nach dem Aufenthalt hier bin ich erst mal reif für einen Urlaub…

Nach knapp 3 Stunden Autofahrt erreichen wir Washington. Sonntags kann man hier kostenfrei am Straßenrand parken – unser Timing ist perfekt. Auch einige Museen bieten freien Eintritt und wir beschließen uns das für den Nachmittag aufzuheben. Das Wetter soll nicht beständig sein, also wollen wir zuerst alles im Freien besichtigen, bevor es zu regnen beginnt. Die Luft ist drückend heiß und uns läuft der Schweiß am Körper runter. Da die Wettervorhersage nicht gut war, habe ich auch gar keinen Fotoapparat dabei gehabt. Für Regenbilder ist mir das Geschlepp zu anstrengend. Also bin ich für einen Tag ein ganz neuer Tourist, alles was ich dabei habe ist eine Handtasche mit Handy, Geld und Trinken – leichtes Gepäck, auch mal schön. Wir schauen uns das Kapitol, das weiße Haus und das Lincoln Memorial an. Allein um diese drei Gebäude abzulaufen, sind wir eine Weile unterwegs. Alles hier ist entlang eines Parks angeordnet. Wenig Verkehr und ein bisschen Natur mitten in der Großstadt. In den wenigen befahrbaren Querstraßen stehen haufenweise Foodtrucks. Da alle Restaurants weit entfernt sind, essen auch wir hier etwas. Die Sitzbänke sind natürlich alle belegt, deshalb lassen wir uns auf einem Baumstamm nieder.

Nach drei Tagen Laufen, sind wir mittlerweile recht erschöpft und vor allem die Hitze setzt uns zu. Es wird Zeit für das Indian American Museum. Hier kann man sich über die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner und der Inkas informieren. Ich bin ja nicht so der Museumsgänger und nach einem Stockwerk reicht es mir auch schon. Wenigstens ist es hier klimatisiert und es gibt kostenfreies WLAN.

Gegen Abend machen wir uns auf den langen Rückweg und lassen das Wochenende bei einer Flasche Wein ausklingen.

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