Zu Fuß durch die Sahara

Von Fes ging es per Nachtbus weiter Richtung Süden. Eigentlich bekommt man direkt beim Ticketkauf einen festen Sitzplatz zugewiesen, je eher man bucht, desto weiter vorne. Wir haben Plätze 1 + 2, direkt hinter dem Fahrer. Da wo es keine Beinfreiheit gibt. Zum Glück ist unser Fahrer gut drauf und bietet uns je 2 Sitze weiter hinten an. Optimal zum Schlafen. Vielleicht hat es geholfen, dass wir zusammen mit dem Busfahrer (mit Gestik) über die mangelnden Parkkünste des PKW Fahrers abgelästert haben, der sich so mies angestellt hat, im Parkverbot vor dem Bus zu parken, dass der Bus im Endeffekt ein Stück zurück fahren musste, um nicht erneut angefahren zu werden.

Die ersten vier Stunden fahren wir im eisgekühlten Bus. Jacke, Schal, lange Hose und trotzdem friere ich so sehr, dass ich nicht schlafen kann. Dann geht die Klimaanlage wohl nicht mehr und es wird endlich warm. Die nächsten sechs Stunden kann ich schlafen, dann sind wir da: in Merzouga. Es dämmert schon und wir lassen uns vom GPS zum Riad führen. Alles zu, mist! Während wir uns nach einem Seiteneingang umschauen, kommt ein Mann auf uns zu. Ich hatte der Unterkunft vorab geschrieben, dass wir so früh ankommen und offenbar hat uns der Besitzer abholen wollen. Naja wir haben uns gefunden und dürfen uns in ein Zelt legen, bis das Frühstück losgeht. Nach dem Frühstück organisieren wir die Wüstentour, denn deshalb sind wir hier.

Es gibt verschiedene Wüstencamps, wir entscheiden uns für eins mit Luxus. Ein eigenes Klo im Zelt und richtige Betten. Nicht so wie letztes Mal, als es einfach einen Teppichvorhang als Tür und eine Matratze auf dem Boden war. Das Luxuscamp ist zwar ziemlich teuer, dafür sind wir aber auch nur eine Dreiergruppe. Ricardo aus Italien ist ebenfalls dabei. Wir haben unseren eigenen Guide und diesmal darf ich zu Fuß durch die Sahara laufen. Kamelreiten mag ich schließlich nicht. Es ist zwar sau anstrengend 1,5 Stunden durch den Wüstensand zu laufen, aber besser als verkrampft auf dem Tier zu hängen. Außerdem kann ich so besser fotografieren. Leider ist es schon wieder bewölkt. Die Chancen für den Sonnenuntergang stehen schlecht. Aber zum Laufen ist es natürlich angenehmer ohne Sonne. Ich bin so schon überall klebrig.

Im Camp angekommen sausen wir schnell auf eine Düne, die Wolken sind sehr hoch und haben eine Lücke zum Boden gebildet, wo die Sonne durchkommt und wir doch noch zu unserem traumhaften Sonnenuntergang kommen. Zack sind alle Strapazen vergessen!

Abendrot in der Sahara

Im Wüstencamp sind mittlerweile noch zwei Australierinnen angekommen. Gemeinsam essen wir zu Abend und sitzen um das Lagerfeuer herum. Die Kamelführer machen Musik für uns. Nach wenigen Liedern versuchen sie uns dann mit einzubeziehen und jeder muss mal trommeln oder singen. Dann krackseln wir erneut die Düne hinauf. Es ist Vollmond. Die Dünen werfen dunkle Schatten. Eigentlich hatte ich mir solche Bilder für den Abend vorgestellt, aber da war es zu wolkig. Dann machen wir eben nachts noch ein paar Fotos, bevor wir uns schlafen legen. Im Camp ist es schön warm. Doch mitten in der Nacht wird es windig. Ich befürchte fast das ist normal in der Sahara, denn auch letztes Mal war es nachts sehr unheimlich wenn der Wind den Sand gegen das Zelt pustet. An erholsamen Schlaf ist nicht zu denken und insgeheim freue ich mich darüber um 5:30 Uhr wieder aufzustehen. Schnell anziehen und mit Kamerazeug auf eine Düne klettern. Der Himmel ist klar und wir genießen im Sand sitzend den Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang in der Wüste

Leider sind die Touren immer etwas hektisch. Unsere Kamele sind ausgebüchst, weil eine andere Karawane schon zurück geht. Auf drei Beinen humpeln sie durch den Sand und tun mir sofort leid. Ein Vorderbein wird genau aus diesem Grund festgebunden, doch offenbar reicht genügend Willenskraft aus um auch so aufzustehen. Unser Kamelführer holt sie zurück, wir frühstücken schnell was und treten dann auch den Rückweg an. Das Marschieren durch den Sand ist genauso anstrengend wie gestern und wirklich viele Fotos kann ich nicht machen, da ich sonst den Anschluss verliere. Ich glaube wir haben etwas zu viel getrödelt, denn mitten auf dem Heimweg werden wir von unserem 4×4 Jeep abgeholt. Mist, also müssen wir jetzt mit dem Auto zurück fahren. Zum Glück ist der Fahrer hier vorsichtig und kein Vergleich zu der Horrortour in Dubai. Nie wieder Dune Bashing! 
Erschöpft und glücklich kommen wir zurück zum Hotel und verbringen den Tag am Pool. Heute ist es richtig mild und lässt sich sehr gut in der Sonne aushalten.

Hotelpool

Die Häuser hier werden aus Lehm gebaut. Im Ort konnten wir einen Maurer bei der Arbeit beobachten. Allgemein mengen die Marokkaner ihr Baumaterial gerne einfach so auf dem Gehweg zusammen. In Casablanca hatte ich so beobachtet, wie Zement gerührt würde. Einen Behälter zum Mischen zu benutzen wäre ja auch uncool.

Uns bleibt noch eine Nacht am Rand der Wüste, vielleicht spazieren wir am Spätnachmittag erneut zur Düne und probieren noch mal unser Glück mit den Schattenspielen der Dünen. Vielleicht sind wir aber auch heute faul, denn morgen wird anstrengend. Die längste Busfahrt der Reise steht bevor. Von Merzouga über das Atlasgebirge nach Marrakech in knapp 13 Stunden. Immerhin tagsüber, so dass wir die Nacht in einem Bett verbringen können. Dort kriegt man immer noch den besten Schlaf…

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