Drei Tage in Namibias Wüste

Drei Tage Wüste, drei Tage fernab von geteerten Straßen und von einer Internetverbindung zur Außenwelt. Wir fahren die meiste Zeit auf den sogenannten „Dust Roads“, staubigen Schotterpisten ohne jegliche Markierungen. Unser Truck kommt mit den Straßen jedoch gut zurecht. Alles scheppert innen herum, das Gepäck wird durchgerüttelt und wir werden mit jedem Kilometer staubiger.
Vom Orange River aus brechen wir zunächst auf in Richtung Ai Ais. Dort gibt es eine heiße Quelle mit 65° warmem Wasser. Das Wasser wird in unserer Wohnanlage auch verwendet, um Pools zu befüllen. Entsprechend gehen wir in dem warmen Outdoorpool baden. Im Winter. Ohne frieren. Wie sich später herausstellt, reicht die Kraft der Sonne im Winter sogar auch noch für einen Sonnenbrand.. wer hätte das gedacht..

Nachmittags führt uns die Reise zum Fish River Canyon, dem zweitgrößten Canyon der Welt und dem größten Canyon in Afrika. Wir machen einen Spaziergang entlang der Kante. Eine kurze Wanderung in den Canyon ist nicht erlaubt, der kürzeste Weg durch den Canyon beträgt 80km und dauert 4 Tage. Wir beschränken uns also auf die Sicht von oben, die meiner Meinung nach sowieso am besten geeignet ist zum Fotografieren. Am Aussichtspunkt ist unser Truck geparkt und Saima, unsere fürsorgliche Mama, kocht bereits das Abendessen. Heute gibt es Spaghetti Bolognese auf afrikanisch, passend zum Sonnenuntergang. Für die Gruppe schön, für mich etwas unpassend, da ich gerne zeitgleich fotografieren möchte. Mein Essen ist also etwas unterbrochen, da ich alle paar Minuten aufstehe und ein paar weitere Fotos mache.


Im Dunklen geht es zurück zu unserer Unterkunft. Aus den Fenstern des Trucks können wir die Sterne der südlichen Hemisphäre bestaunen. Hier gibt es nämlich geschätzt 80km weit gar nichts, kein Störlicht. Der Himmel sieht hier ganz anders aus als zu Hause.

Auf halbem Weg zur Unterkunft bremsen wir plötzlich stark. Zwei Zebras stehen auf der Straße. Leider haben sie Angst vor uns und rennen gleich weg, so dass wir kein Foto machen konnten. Hoffentlich haben wir im Etosha Park mehr Glück.

Der nächste Morgen beginnt früh. Um 6 Uhr sitzen alle im Bus und es geht los. Der schlimmste Tag der Reise steht an: 900km Fahrt von Ai Ais nach Namibgrens. 600km davon auf geteerten Wegen, aber 300km auf Dust Roads. Heute habe ich mir ein Tuch mitgenommen, um den Staub nicht direkt einzuatmen. Für mich sind derartig lange Busfahrten in Namibia nichts und ich bin heilfroh, als die Tortour ein Ende hat und ich mich abends im Bett von den Strapazen erholen kann.

Eine kurze Nacht später sitzen wir um 4:20Uhr morgens wieder im Truck und fahren drei Stunden im Dunklen über die schlechten Schotterpisten zum Namib Naukluft Park. Der Park öffnet erst um 7:30Uhr und schließt zum Sonnenuntergang wieder. Man kann ihn also nur tagsüber besuchen. Das tut meinem Fotografenherz schon weh, aber da es früh morgens wolkig ist, haben wir ohnehin keinen Sonnenaufgang verpasst.

Zuerst Besteigen wir die Düne 45. Dies ist die 45. Düne nach Eingang des Parks und sie ist zufälligerweise 45km entfernt. Vermutlich ist hier deshalb so ein Hype entstanden, dass alle Touris genau hier hochkrackseln. Wir laufen nur ein Stück hoch, dann sind die Schuhe sandig genug und wir kehren um, damit ich die Bäume unten fotografieren kann. Zeit haben wir nie besonders viel bei unseren Stopps und deshalb muss ich mir meine Fotomotive gut einteilen. Sowie die anderen ebenfalls von ihrer Dünenwanderung zurückkommen, gibt es Frühstück am Truck.

Frisch gestärkt fahren wir ein Stück weiter in den Park hinein, dann müssen wir in Allradfahrzeuge umsteigen. Mit den kleinen Jeeps fahren wir die nächsten 5km in Richtung Dead Vlei, dem Auslöser für die ganze Tour. Im „toten Tal“ stehen steinalte und abgestorbene Bäume, die aber nicht zerfallen, weil die Luft so trocken ist, dass sie die Bäume gut konserviert. Wir laufen also die letzten 1,5km zu Fuß durch den Sand. Früher war das Tal viel größer, doch mit der Zeit wird immer mehr Sand durch die Gegend geweht und das Tal schrumpft immer weiter. Gutes Timing, dass wir jetzt beschlossen haben hier herzufahren, wer weiß wie lange man die Bäume noch so sieht, bevor sie alle im Sand versinken. Unsere Gruppe hat eine Stunde Zeit zwischen den töten Baumstummel herumzulaufen. Vermutlich ist die Zeit sehr großzügig kalkuliert, aber für wirklich gute Komposition ohne Menschen, die im Bild herumlaufen, reicht mir der kurze Aufenthalt nicht aus. Ich bin trotzdem zufrieden mit der Ausbeute, denn mir war schließlich schon vorher klar, dass es so kommen würde. Es war zwischendurch bewölkt und somit weniger heiß (denn ja hier wird es tagsüber selbst im Winter sehr warm), trotzdem konnte ich einige Bilder mit Sonne und Schatten erbeuten. Das Highlight des Urlaubs ist somit für mich erreicht und der Sesriem Canyon beeindruckt mich nur noch wenig. Glücklich, dreckig und verschwitzt brechen wir sie dreistündige Heimfahrt an.

Zum Abschluss der Wüste haben wir heute eine geführte Tour durch die trockene Landschaft gemacht. Auf einem Allradtruck ging es mit einem anderen Local Guide über sein Land. Ab und zu haben wir angehalten und er hat uns Sachen erklärt. Zum Beispiel gibt es eine Pflanze, die jahrelang ohne Wasser aushalten kann und wenn es dann Mal regnet, öffnet sie sich und lacht. Zur Demonstration hat er den Regen mit Flaschenwasser vorgetäuscht und es hat tatsächlich funktioniert.

Danach ging es weiter nach Walvis Bay mit kurzem Fotostop in der Mondlandschaft von Tropical Capricorn. Dies ist der südliche Wendepunkt der Erde. Walvis Bay ist die zweitgrößte Stadt Namibias und hat 55000 Einwohner, früher war sie von den Briten besetzt. Wir haben uns jedoch nur eine Lagune angesehen, in der man häufig Flamingos sieht. Gesehen haben wir sie, aber das Licht war absolut ungeeignet zum Fotografieren.


Danach ging es pünktlich zum Sonnenuntergang nach Swakopmund, der wohl touristischsten Stadt des Landes. Hier soll man die Überreste der deutschen Kolonialzeit noch sehr gut sehen, Straßennamen sind teilweise auf deutsch zu sehen. Morgen werden wir die Stadt auf eigene Faust erkunden und müssen endlich nicht mehr mit dem Bus fahren. Die Staubstraßen belasten uns sehr und wir können diese Auszeit sehr dringend gebrauchen.

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