Kulturelle Weiterbildung in Namibia

In den letzten zwei Tagen haben wir uns kulturell weitergebildet. Gestern ging es von Swakopmund nach Spitzkoppe. Der Berg heißt tatsächlich so, weil er oben spitz zuläuft. Ein spitzer Kopf sozusagen.


Beim Spitzkoppe wurden wir von einem einheimischen Guide in seinen Stamm der Tama eingeweiht. Er hat die Führung sehr interaktiv gestaltet und uns allen einen Namen gegeben, den wir für die eineinhalb stündige Führung merken mussten. Der Stamm hat außer den normalen Buchstaben auch Klicklaute, die für uns sehr schwer auszusprechen sind. Andere Stämme haben widerum andere Klicklaute und diese werden Mal am Anfang und Mal am Ende des Wortes angehängt.
Zunächst führt er uns direkt zu den Wandmalereien unterhalb des Berges. Diese sind meist an einem Überhang angebracht worden, damit sie vor Regen und Sonne geschützt sind.

Seine Vorfahren haben diese Wandmalereien als Hinweise für die anderen Stammmitglieder erstellt, um ihnen beispielsweise zu zeigen wo die nächste Wasserquelle ist oder welche Tiere sie hier gesichtet haben. Die Farbe wird aus Tierblut und Ocker zusammen gemischt, weshalb wir sie auch nicht anfassen dürfen.

Anschließend erklärt er, dass die Männer mehrere Frauen haben dürfen und damit es für die Gruppe anschaulich wird, hat er sich mich als seine Frau ausgesucht und anhand dessen erklärt, wie die Hochzeit ablaufen würde. Zunächst wurde er meiner Familie 5 Schafe und ein Rund geben. Hier muss der Mann sich die Frau quasi kaufen. Dann wird ein Tanzritual vollzogen und die Frau wird für eine Woche in einen dunklen Raum gesperrt und darf erst zur Trauung wieder raus. Anschließend bekommt sie ein Haus beim Stamm des Mannes. Wenn er möchte und es sich leisten kann, darf ein Mann auch mehrere Frauen heiraten.


Ich bin jedenfalls froh, als die Führung vorbei ist und versuche beim nächsten Mal daran zu denken, meinen Namen nicht preiszugeben, um solchen Situationen vorzubeugen (hat natürlich nicht geklappt).

Gleich heute ging es zum nächsten Stamm, dem Himba Tribe. Die Himba wohnen im Norden Namibias und wir brauchen weitere zwei Stunden Fahrt, bis wir dort ankommen. Sie sind immer noch Nomaden und ziehen immer weiter. Die Himba leben von der Landwirtschaft und sie haben viele Tiere.

Auch hier können die Männer mehrere Frauen haben, aber der Preis wird mit jeder Familie einzeln verhandelt. Die Frauen waschen sich nie mit Wasser, sondern reiben sich mit Dreck ein oder nehmen Rauchbäder. Für uns unvorstellbar und die Reisegruppe wäscht sich nach dem Besuch auch lieber erst Mal gründlich die Hände.

Die Siedlung ist immer nach einem bestimmten Muster aufgebaut und es ist in ihrer Kultur sehr unhöflich wenn man bestimmte Bereiche betritt oder durchkreuzt. Ganz genau habe ich bei der Erklärung nicht zugehört, da ich schon mit Fotografieren beschäftigt war. Die Himbas wissen, dass Touristen zum Fotografieren kommen und würden es als Beleidigung empfinden, wenn wir nicht viel fotografieren würden. Das sind sehr gute Nachrichten für mich und die DSGVO gilt hier mit Gewissheit auch nicht. Wie auch in anderen Ländern zuvor, kommen manche Kinder an und nehmen einen an die Hand oder machen unmissverständliche Zeichen, dass sie fotografiert werden wollen. Natürlich möchten sie die Ergebnisse anschließend gleich begutachten. Für mich ist der Ausflug eine gute Gelegenheit ein paar Porträts zu schießen.


Am Ende der Dorfbesichtigung, werden wir zu einem Markt geschleust, wo die Himbas selbstgemachte Armbänder ode Figuren zum Verkauf anbieten. Die Holzgiraffen gefallen mir zwar ganz gut, aber zu Hause würden sie nicht einlassen und außerdem haben wir kein bisschen Platz im Koffer frei.

Es ist schwer nichts zu kaufen, vor allem wenn sie von allen Seiten meinen Namen rufen und wollen, dass ich bei ihnen etwas mitnehme – ja, ich habe den gleichen Fehler schon wieder gemacht und meinen Namen verraten.. vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Morgen beginnt dann der letzte Themenabschnitt der Reise: Tierfotografie im Etosha Nationalpark.

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