Kurzreise nach Amsterdam

Nur noch eine Reise, bevor der Herbst richtig zuschlägt und wir monatelang kaltes Schmuddelwetter bekommen. Das haben wir uns gedacht und ein Zugticket nach Amsterdam gekauft. Mit dem ICE ist man schnell dort und Parkplätze gibt es in der Innenstadt ohnehin keine.

Drei Nächte haben wir in Hollands Hauptstadt verbracht. Der innere Teil der Stadt ist sehr konsistent und besteht fast nur aus hübschen, alten Gebäuden. Dort kosten die Unterkünfte jedoch ein Vermögen, es sei denn man begnügt sich mit einem Doppelbett im 32er Zimmer eines der vielen Hostels. Für uns ist das absolut keine Option, insofern weichen wir auf ein Hotel in einem Randbezirk aus. So müssen wir zwar immer mit der Tram und Zentrum fahren, haben es aber auch nachts wesentlich ruhiger.

Amsterdam ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt. Überall gibt es echte Radwege, die breit sind und meist auch von der Fahrbahn für Autos getrennt. Fahrräder haben, wie es scheint, immer Vorfahrt. Egal was die Ampel sagt, man muss immer mit einem Schnittigen Radfahrer rechnen, der einen im nächsten Moment erfassen könnte. Üblicherweise habe ich den größten Respekt vor Schienenfahrzeugen, doch in Amsterdam empfinde ich die Radler als größte Bedrohung im Straßenverkehr. Selbstverständlich wird hier ohne Helm gefahren und komischerweise teilt man sich den Radweg mit anderen, motorisierten Zweirädern.

Weiterhin gibt es hier sehr viel Wasser. Etliche Grachten und Kanäle ziehen sich durch die Stadt. Man kann sie mit einem der vielen Ausflugsboote besichtigen und genau das haben wir auch gemacht. Es gibt verschiedene Angebote, von einer normalen Rundfahrt bis hin zur Dinnercruise. Da wir hier in Holland sind, dem Land des Käses, haben wir passenderweise die Cheese and Wine Tour am Abend gebucht. So konnten wir ein regionales Produkt verkosten und zeitgleich die beleuchtete Stadt ansehen. Mir fiel es allerdings etwas schwer mich gleichermaßen auf beides zu konzentrieren und so habe ich die Fahrt durch das Rotlichtviertel verpasst – falls wir dort überhaupt lang gefahren sind… Aber halb so wild, denn wir haben am nächsten Tag ohnehin eine Walkingtour durch das Rotlichtviertel gebucht.

Am zweiten Tag konnten wir Tickets für das Anne Frank Haus ergattern. Das ist gar nicht so einfach, denn 80% der Tickets waren schon weg und nur 20% der Tickets sind am Tag selbst noch verfügbar. Gebucht wird ausschließlich online und für einen exakten Zeitslot. Die vorab buchbaren Tickets waren alle schon vergriffen, auch für die nächsten Wochen, so blieb uns nur die Hoffnung auf eines der letzten Tickets. Am Tag zuvor war der Server überlastet, aber beim nächsten Mal waren wir erfolgreich.

Wie nicht anders zu erwarten war, gab es eine große Schlange vor dem Eingang und viele Touristen im Museum. Wer gerne in Ruhe durch ein Museum schlendern möchte, kann es hier vergessen.

Es ist auf jeden Fall sehr bewegend durch das Versteck der Franks zu gehen und zu sehen auf welchem Raum sie sich dort für zwei Jahre versteckt haben.

Die geführte Tour durch das Rotlichtviertel war auch gut. Wir haben viel über Drogen und Prostitution gelernt und wie Holland damit umgeht, nämlich sehr offen. Die Prostituierten müssen in Amsterdam als Freiberufler arbeiten. Sie zahlen ebenso Steuern, wie ander Freiberufler und konnen so am Sozialsystem teilhaben. Außerdem sind die roten Räume auch alle mitten in der Stadt, in Wohngebieten, neben Kitas oder Kirchen. In Amsterdam ist Sex kein Tabuthema.

Insgesamt sind wir viel eingelaufen, unter anderem auf der Suche nach Fotomotiven für den Abend. Es war ein schöner und anstrengender Ausflug bei optimalem Wetter.

Kontakt