Zwei Wochen Alltag in Pennsylvania

Wenn ihr diesen Beitrag lest, bin ich bereits zurück in Deutschland. Die vergangenen zwei Wochen war ich in Pennsylvania und habe hier in unserer Tochterfirma gearbeitet. Schon von Anfang an hat es mich gereizt mal an einem anderen Standort zu arbeiten und nun ist dieser Wunsch für kurze Zeit in Erfüllung gegangen. Zusammen mit zwei anderen europäischen Kolleginnen habe ich in der Firmenwohnung gelebt. Meine erste WG sozusagen 😉 Wir haben viel Zeit zusammen verbracht und sind mit unserem überdimensionalen Auto (Ford Flex) gemeinsam zur Arbeit gefahren. Für mich keine große Umstellung, denn auch in Deutschland habe ich eine Fahrgemeinschaft. Hier hat es mir besonders gut gefallen, dass ich anfangs zu meiner müden Phase nicht direkt selbst fahren musste. Besonders in den ersten Tagen war es anstrengend so lange wach zu bleiben. Es sind ja nicht nur die 6 Stunden Zeitverschiebung, sondern es kommt auch noch hinzu, dass die Kollegen hier alle später anfangen zu arbeiten. Im Endeffekt muss ich hier erst 7,5 Stunden später aufstehen als zu Hause. Weiterhin waren wir auch immer aktiv und hatten selbst am Wochenende wenig Zeit zum Ausruhen.

Das Autofahren an sich ist in den USA eigentlich recht einfach. Alle Autos haben ein Automatikgetriebe, somit muss man sich schon mal an keine neue Kupplung gewöhnen. Es wird, wie in Deutschland, rechts gefahren. Zwar werden die Entfernungen in Meilen angegeben, aber auf dem Tacho stehen ja auch Meilen, insofern konnte man sich recht schnell umgewöhnen. Auch manche Verkehrsregeln sind anders. Es gibt ALL WAY Stoppschilder. Dort müssen alle Autos anhalten und wer zuerst an der Kreuzung angekommen ist, darf auch wieder zuerst weiterfahren. Manchmal kommen diese Stoppschilder auch mitten auf einer Landstraße vor, wo man überhaupt nicht damit gerechnet hätte. Auch das Rechtsabbiegen bei roter Ampel ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ansonsten sind die Regeln sehr ähnlich wie in Deutschland und ich habe mich auch überwunden und bin selbst ein paar Mal gefahren. Check. Abgehakt.

Große Autos sind hier normal

Natürlich gibt es hier auch Unterschiede beim Arbeiten. Mir kommt die Atmosphäre gelassener vor, als in Deutschland, doch die Angestellten hier haben auch wesentlich weniger Urlaub: normale Angestellte haben 10 Tage Urlaub im Jahr und mit jeweils 5 Dienstjahren kommen weitere 5 Tage Jahresurlaub dazu. Der Arbeitstag beginnt langsam, irgendwann ab 8 Uhr, eine Frühstückspause gibt es nicht, dafür kann man jederzeit zum Mittagessen im Restaurant aufbrechen. Offenbar ist es in den USA üblich auswärts essen zu gehen – jeden Tag – denn eine Kantine gibt es an dem Standort nicht. Mir wäre das nicht nur zu teuer, sondern auch zu fettig. Wir haben uns stattdessen lieber selbst gekocht und eigenes Essen mitgebracht. Noch dazu kann ich mit vollem Bauch nicht mehr so gut konzentriert arbeiten. Die Temperaturen waren außen angenehm warm und innen überall sehr kalt. Anstatt die Klimaanlage runterzudrehen, wenn die Mitarbeiter frieren, kann man noch eine Heizung bekommen, damit es einem wieder warm wird. Mehr sage ich dazu mal nicht.

Jeden Tag nach der Arbeit haben wir etwas unternommen, selbst wenn wir nur im Supermarkt einkaufen waren. Auch das war anstrengend, denn die Supermärkte sind riesig und man muss sich erst mal darin zurechtfinden. Vor allem das Kaufen von Alkohol ist kompliziert in den USA. In den meisten Supermärkten bekommt man gar keinen Alkohol, in unserem Giant hingegen schon. Bei einer Verkäuferin haben wir nach Vorlage unseres deutschen Personalausweises Wein kaufen können, bei ihrem Kollegen ging es nicht, da er nur einen Reisepass akzeptieren konnte. Dies sei angeblich das Gesetzt. Für uns Deutsche ist das schwer nachvollziehbar, da der Perso ebenfalls ein Bild und englische Übersetzungen hat, so dass man überall auf der Welt das Alter sehen kann… aber da merkt man mal wieder die regionalen Unterschiede und weiß zu schätzen wie einfach es daheim manchmal ist. Ich vermute, dass sie keine Persos annehmen wollen, da die jugendlichen Amerikaner gerne Pässe fälschen, um früher ausgehen und Alkohol trinken zu können. Besonders krass fand ich auch den einen Walmart ohne Gemüse- oder Obstabteilung. Hier gab es einfach gar nichts frisches! Ich bin mehrfach die Gänge abgelaufen, aber es war nichts aufzufinden und das in einem Supermarkt!

Das berühmte Cheesesteak haben wir natürlich auch probiert… so wie viele andere lokale Speisen – mit vielen Kalorien…

An manchen Tagen waren wir auch shoppen – okay, das ist untertrieben. Wir waren fast jeden Tag bummeln. In Pennsylvania werden nur 6% Steuern erhoben, das ist weniger als in den Nachbarstaaten und bietet sich natürlich hervorragend an, um Kleidung zu kaufen.

Es gibt zum einen die größte Shopping Mall der Ostküste „King of Prussia“. Hier findet man etwa 400 Geschäfte und selbst nach zwei Besuchen haben wir nicht alles angucken können.

Weiterhin waren wir im Outlet in Lancaster. Hier gibt es von den meisten bekannten Marken eine Filiale mit extra Rabatten. Das Outlet ist wie ein kleines Dorf aufgebaut. In der Mitte gibt es viele Parkplätze und außen herum sind die ganzen Geschäfte. In Lancaster gibt es zwei Outlets: Tanger Outlet (das neuere) und Rockvale Outlet (das ältere, direkt nebenan). Beim ersten Besuch waren wir nur im Tanger Outlet, doch im Rockvale Outlet gibt es einen besonderen Schnäppchenladen names VF, wo man Lee und Wrangler Jeans ab 5$ bekommt. Davon haben mir die Kollegen erst  später erzählt und wir sind noch mal hingefahren. Zu den billigen Anfangspreisen gab es noch sehr hohe Rabatte, so dass wir mit einer vollen Tüte Markenklamotten für unter 30€ davongekommen sind.

Aber auch in Exton selbst gab es Schnäppchenläden: TJ-MAXX und ROSS. Alle drei Läden bekommen ihre Waren von anderen Geschäften, wo sie keiner mehr kaufen möchte. Das heißt der Einkaufspreis ist niedrig und die Ware nicht zwangsläufig die allerneueste Mode, aber dafür kann man enorm viel Geld sparen. Eigentlich war ich ja nicht zum permanenten Shoppen rübergeflogen, aber dann konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und habe massig neues Zeug gekauft…

Insgesamt war es eine gute (wenn auch anstrengende) Zeit, in der ich viele neue Eindrücke gewinnen konnte. Alles hat in den Koffer gepasst und er ging sogar gerade noch zu.

Rückflug mit viel Beinfreiheit und Rückenwind – in 6,5h von EWR->FRA

Kontakt