Zwischenstopp in Doha

Nachdem unsere Rundreise in Afrika nun zu Ende ist, bleiben wir nur noch eine Nacht, um dann relativ gemütlich zum Flughafen zu fahren. Man denkt ja immer in Afrika ist alles nicht so gut planbar, wie zu Hause. Es kann immer etwas dazwischen kommen, auch im Verkehr und so wurde uns empfohlen den Flug erst für den nächsten Tag zu buchen. Erstaunlicherweise gab es jedoch bei unserer Tour keinerlei Probleme. Die ganze Gruppe war immer sehr pünktlich und wir konnten unseren Zeitplan immer einhalten. Dieser Eindruck sollte dann jedoch nicht mehr lange halten. Wir hatten unsere letzte Nacht individuell in einem Apartment gebucht und mussten somit als einzige die Gruppe verlassen. Damit wir morgens keinen Stress haben, hat Benedikt sich direkt von Deutschland aus schon um einen Flughafenshuttle gekümmert. Wir haben gesagt, dass wir um 10 Uhr am Flughafen sein wollen, also wurde uns der Pickup um 9:15 Uhr bestätigt. Wir haben uns brav schon vorher rausgestellt und da standen wir dann. 9:15 Uhr, kein Taxi. 9:20 Uhr kein Taxi. 9:25 Uhr immer noch nichts. Jetzt ist die Ruhe weg und wir rufen bei dem Taxiunternehmen an. Der Fahrer wäre gleich da. OK. Immerhin haben sie uns nicht ganz vergessen. 9:30 Uhr kommt eine SMS, dass der Fahrer gleich kommt, was leider immer noch nicht der Fall ist. Dafür fahren ständig leere, hupende Taxis an uns vorbei. Ich überlege mir schon, einfach ein Taxi zu nehmen, anstatt auf unseren unzuverlässigen Shuttle zu warten. Den Preis zum Flughafen kennen wir ja jetzt. Bis 9:45 Uhr setze ich mir ein Limit, dann sollte es wirklich losgehen – immerhin haben wir einen Flug gebucht, den wir erreichen müssen. Kurz vor Ablauf meiner 30 min Toleranz kommt unser Shuttle dann endlich. Er meinte wir hätten für 9:30 Uhr gebucht. Nicht ganz. Immerhin ist er jetzt da und das Auto sieht auch nicht ganz so verranzt aus, wie die anderen Taxis in der Stadt. Los geht’s.

Der internationale Flughafen liegt 40km entfernt und ist über eine Landstraße zu erreichen. Erlaubt sind hier 100 km/h, aber das schert ihn nicht. Mit bis zu 140 km/h brettern wir die (geteerte) Straße entlang . Einen riesen Schreck bekommen wir, als plötzlich ein kleines Kind auf die Straße rennt und wir es nur um ein Haar verfehlen. Immerhin hat es den Fahrer auch geschockt und er fährt danach einen Tick langsamer. Er beschwert sich, dass die Mutter des Kindes nicht besser aufgepasst hat. Da gebe ich ihm Recht, jedoch hätte er auch etwas rücksichtsvoller fahren können.

Wir sind heilfroh, als wir den winzigen Flughafen erreichen. Ein Kofferband gibt es hier nicht, Automaten erst Recht nicht. Wir stellen uns also in die Schlange an und geben das Gepäck dort ab. Ein Flughafenmitarbeiter transportiert alle Gepäckstücke von Hand ab. Wo sind wir hier gelandet? Und das soll noch ein fortschrittliches Land in Afrika sein. Die Abflughalle ist klein und erinnert mehr an einen abgelegenen Ryanairflughafen. Es gibt ein paar Sitze in der Mitte und höchstens 5 Shops an einer Seite. Gates gibt es hier nicht, nur ebenerdige Türen durch die man direkt aufs Rollfeld spazieren kann. Es geht zu Fuß zum Flugzeug. Dort werde ich von einer Mitarbeiterin veräppelt, die meint ich darf nicht ins Flugzeug. Sollte wohl witzig sein, für mich war es das jedoch nicht. Erledigt von dem Vormittag sitzen wir endlich im Flieger. Die erste Etappe ist geschafft. Jetzt müssen nur noch 9h20min in der Kiste abgesessen werden. Nach drei langweiligen Filmen habe ich keine Lust mehr, mir noch weitere anzusehen und versuche zu schlafen. Irgendwann kann ich nicht mehr sitzen und werde quengelig.

Wir erreichen Doha mitten in der Nacht, dann stehen wir noch eine halbe Stunde in der Schlange für die Einwanderung und warten anschließend noch eine ganze Weile auf unseren Shuttlebus, der offenbar nur im Stundentakt fährt. Immerhin kostet der hier nicht extra, sondern gehört zum Service des Hotels dazu. Während wir wenige Minuten außerhalb des klimatisierten Flughafengebäudes stehen, bekommen wir schon einen Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Tag erwarten wird. Es ist so feucht und heiß, dass die Brille unmittelbar beschlagen ist und wir keine Sicht mehr haben.

Gebucht haben wir uns ein 4* Hotel in der Nähe der Corniche (=Küstenpromenade) mit Blick auf die Skyline. An der Rezeption haben wir einen netten Mitarbeiter, der unsere Check-out Zeit von 12 Uhr auf 16 Uhr verlängert, weil unser Flug erst nachts ist. Mit letzten Kräften schleppen wir uns ins Bett.

Am nächsten Morgen sehen wir Doha zum ersten Mal bei Tageslicht. Wirklich scharf sind wir nicht auf einen längeren Aufenthalt im Freien, von der künstlich angelegten „Perle“ würde uns ebenfalls abgeraten und so beschließen wir, eine Mall zu besichtigen. Das Villaggio liegt am nächsten zu unserem Hotel und so fällt die Entscheidung leicht. Während „uber“ in Deutschland verboten ist, kann man sich in Katar bequem damit durch die Gegend fahren lassen. Für uns ist es das erste Mal, dass wir selbst ein uber rufen und wir sind etwas aufgeregt, ob alles funktioniert. Man registriert sich über eine App, gibt seine Daten ein und kann dann über GPS den Abholort ermitteln lassen. Das einzige, was man noch angeben muss, ist der gewünschte Zielort. Wir bestellen uns also ein Fahrzeug und zwei Minuten später steht es vor der Tür. Der Preis ist vorab festgelegt uns vermutlich eine Ecke billiger, als ein Taxi. Bezahlt wird über die App und man kommt bargeldlos ans Ziel.

Die Villaggio Mall ist im venezianischen Stil eingerichtet, mitten durch sie hindurch führt ein künstlich angelegter Kanal, auf dem sogar Gondeln entlang schippern. Alles ist ebenerdig angelegt und komplett überdacht, auch wenn man den Eindruck hat unter freiem Himmel zu laufen: die Decke ist mit blau und kleinen Wölkchen bemalt. Neben den internationalen Geschäften gibt es hier auch ein Kino, einen Vergnügungspark, eine Eislaudbahn, verschiedene Cafes und Restaurants, sowie einen großen Supermarkt. Genügend Abwechslung, um einen Tag hier zu verbringen.

Wir sind jedoch am Nachmittag mit Vidal verabredet. Kennen gelernt haben wir uns in Island beim Fotoworkshop und da er aktuell hier wohnt, haben wir uns zum Skyline Shooting verabredet. Eine Stunde vor Sonnenuntergang treffen wir uns am Hotel. Es ist zu warm, um so lange draußen zu warten. Entsprechend gehen wir noch kurz ins Museum für islamische Kunst. Der Eintritt ist frei und innen ist alles angenehm klimatisiert. Umso größer der Schock, als wir wieder rausgehen.

Unser Motiv für die blaue Stunde ist die Skyline mit den bunt beleuchteten Hochhäusern. Noch bevor die blaue Stunde beginnt, sind wir von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt. Jetzt ist alles egal. Mehr als nass kann die Kleidung nicht werden. Immerhin kommt ab und an eine warme Brise vom Meer vorbeigeweht.

Vom Rooftop des Hotels hat man ebenfalls eine gute Sicht auf die Stadt und das Meer, also gehen wir dort anschließend vorbei. Ein paar Fotos sind uns vergönnt, dann kommt das Hotelpersonal vorbei und meckert. Fotografieren mit Stativ und DSLR wird hier nicht gerne gesehen, dafür hätten wir uns eine Genehmigung bei der Rezeption holen müssen. Handyfotos seien jedoch gestattet. Keine Ahnung was diese Auflagen wieder sollen, denn nach Vidals Wissen ist in Katar lediglich das Fotografieren von Regierungsgebäuden verboten, was bei uns jedoch nicht der Fall war… Wir entschuldigen uns und packen ein. Wenigstens ein paar Fotos sind gut geworden.

Zu mehr Hitze haben wir keine Lust mehr und lassen uns dann eben etwas zu früh an den Flughafen fahren. Mit einer neuen Schicht Deo und frischer Kleidung sind wir bereit für unseren letzten Abschnitt der Reise, den Rückflug nach Hause.

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